Referendariat im 3. Lockdown: Belastungen senken, Planungssicherheit steigern!

Der Ausschuss für berufspraktische Fragen (BPA) im Hessischen Philologenverband (hphv) hatte vor den Osterferien eine Online-Umfrage unter über 300 hessischen Lehrkräften im Vorbereitungsdienst (LiV) aller Semester zu deren aktueller Ausbildungssituation durchgeführt. Die Ergebnisse und deren Auswertung liegen nun vor:

Überwiegend positiv wurde die Informationspraxis der Ausbildungsschulen und Studienseminare gesehen, die schnell und ausreichend über alle Corona-relevanten Entwicklungen informieren würden. Auch würden Nachfragen zügig und ausreichend beantwortet. Allerdings führe nach Angaben der Interviewten Überinformation zu Corona-Beschlüssen von vielen Seiten bei ihnen zu Verdruss und Unübersichtlichkeit, sodass wichtige Mails in der Datenflut untergingen.

Heterogen ist hingegen das Bild bei den Unterstützungsangeboten. Es wird häufig bemängelt, dass Ausbildende und Studienseminare keine Rücksicht auf die veränderten Rahmenbedingungen nehmen und zu wenig auf die Bedürfnisse und Sorgen der LiV eingingen. Denn zu den normalerweise schon hohen Anforderungen des Referendariats ist durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Unterricht ein erhöhter Zeitaufwand hinzugetreten: Distanzunterricht muss aufwändig geplant und Materialien müssen digitalisiert werden. Der BPA-Vorsitzende Boris Krüger kritisiert: “Zwei Drittel der Interviewten müssen regelmäßig am kompletten Wochenende für Schule und Seminar vorbereiten, 20 Prozent sogar während der Woche zwischen 22 und 6 Uhr. Das ist doch Ausbeutung statt Ausbildung!”

Aus den Umfrageergebnissen haben die Jungphilologen folgende Forderungen abgeleitet:

  • Um die besonders stark von der Corona-Pandemie betroffenen LiV zu entlasten, fordert der Hessische Philologenverband daher, die zeitaufwändige Pädagogische Facharbeit bis zum Herbst 2022 ganz auszusetzen oder zumindest ihren Umfang zu reduzieren. In einem Jahr soll dann evaluiert werden, ob sich diese besondere Maßnahme bewährt haben wird und beibehalten werden kann.
  • Der Philologenverband appelliert an die Ausbildenden, ihren pädagogischen Spielraum zu nutzen und mehr Rücksicht auf die verschlechterten Rahmenbedingungen zu nehmen, beispielsweise bei der Bewertung und Gewichtung innerhalb eines Moduls.
  • Theoretische UB-Entwürfe als Trockenübung dürfen nicht zur Dauerlösung werden. Stattdessen sollen die LiV für mehr Praxiserfahrung bevorzugt Zugang zu Lerngruppen erhalten, die zumindest teilweise in Präsenz unterrichtet werden (5./6. Klasse und Abschlussklassen).
  • Schließlich verlangen die hessischen Philologen größere Planungssicherheit für die LiV: Prüfungsformate sollen möglichst früh (zu Beginn des Prüfungssemesters oder spätestens 3 Monate vor der Prüfung) festgelegt und kommuniziert werden. Bei kurzfristigen Änderungen der Prüf-Modalitäten aufgrund der Infektionslage darf den LiV kein zusätzlicher Mehraufwand entstehen.

Boris Krüger abschließend: “Das ständige Umplanen des Unterrichts, das schon erfahrenen Kolleginnen und Kollegen große Mühe bereitet, trifft die jungen Lehrkräfte besonders hart. Es gibt gerade so viele andere volatile Faktoren in Schule und Seminar. Da muss zumindest im Vorfeld des zweiten Staatsexamens Kontinuität bestehen.”

Der Ausschuss für berufspraktische Fragen (BPA)

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