Digitale Endgeräte für Lehrkräfte nach den Osterferien – leere Nester oder faule Eier?

Mit großer Skepsis steht der Hessische Philologenverband der Ankündigung des Kultusministeriums gegenüber, nach den Osterferien 73.000 digitale Endgeräte für die Lehrkräfte des Landes bereitzustellen und auszuliefern. Er glaubt nicht, dass diese Zeitvorgabe bei einer so großen Menge an Geräten eingehalten werden kann. Aus Sicht der Philologen wäre daher eine Geldzuschuss-Lösung – verknüpft mit technischen Mindeststandards – einfacher umzusetzen gewesen und hätte passgenauer auf die individuellen Bedarfe der Lehrkräfte eingehen können. Viele haben sich nämlich für den Distanzunterricht während der Corona-Pandemie bereits auf eigene Kosten die entsprechende Soft- und Hardware selbst zugelegt. Die Maßnahme kommt für den hphv daher deutlich zu spät.

Doch auch wenn die versprochenen Tablets und Laptops tatsächlich geliefert werden können, ist bereits bekannt, dass die Geräte jetzt schon veraltet sind und nicht dem aktuellen technischen Stand entsprechen. Sie verfügen bspw. über einen so geringen Arbeitsspeicher, dass bestimmte Programme, die für den Unterricht in den Naturwissenschaften, Informatik und anderen Fächern genutzt werden, auf ihnen nicht laufen. “Sie sind also eher faule Eier als ein Ostergeschenk von Herrn Lorz.”, wie Boris Krüger, Vorsitzender des hphv-Ausschusses für berufspraktische Fragen (BPA), kritisch konstatiert.

Im momentan vom HKM beschrittenen Weg bleiben ferner Fragen nach Ersteinrichtung, Gerätepflege und Support ungeklärt: Die IT der Schulen und der Schulträger sind nicht erst seit der Pandemie voll ausgelastet. Für neu ausgeschriebene Stellen findet sich schon jetzt kein geeignetes Fachpersonal, da man in der freien Wirtschaft mehr Geld zu besseren Arbeitskonditionen verdient. Schließlich ist aus gewerkschaftlicher Sicht die fehlende Beteiligung der Personalvertretungsgremien bei der Auswahl der Geräte zu bemängeln.

Der Hessische Philologenverband fordert statt der Top-Down-Lösungen des HKM, die am Bedarf der Lehrkräfte vorbei gehen, künftig Bottom-Up-Lösungen: Da die Beschaffung und Auslieferung einer so großen Geräteanzahl ohnehin margenweise geschehen wird, sollten mit den ersten Lieferungen die dringenden Bedarfe gedeckt werden (zunächst für Lehrkräfte ohne eigene Endgeräte). Für die zweite und alle weiteren Margen sind mehr Wahlmöglichkeiten anzubieten. Der hphv will sich noch einmal nachdrücklich dafür einsetzen, dass für Lehrkräfte, die bereits in private IT für den beruflichen Kontext investiert haben (diese würden durch die erste Marge an Lieferungen noch nicht bedacht), doch eine Wahlmöglichkeit für einen finanziellen Zuschuss geschaffen wird. Ferner dringt er darauf,  sowohl die Personalräte auf den verschiedenen Ebenen im Rahmen der Mitbestimmung in den Entscheidungsprozess von jetzt an miteinzubeziehen, als auch entsprechende Wartungs- und Supportverträge für die langfristige Gerätepflege abzuschließen. Boris Krüger abschließend: “Das HKM darf bei der Anschaffung von digitalen Endgeräten nicht zu Billiglösungen greifen, sondern muss genügend Geld in die Hand nehmen, um in die aktuellen technischen Standards langfristig zu erfüllen. Denn nur so können sie sinnvoll eingesetzt werden, wenn aufgrund von möglichen neuen Schulschließungen der Distanzunterricht wieder ausgeweitet werden muss.”

Ausschuss für berufspraktische Fragen (BPA)

 

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