Für den Erhalt literarischer Originale im Deutschunterricht Sprache ist mehr als Inhalt – sie ist der Kern der Literatur

vom | Kategorie: Aktuelles, hphv Mitteilungen

In der aktuellen Diskussion um den Einsatz vereinfachter Fassungen klassischer Literatur im Deutschunterricht spricht sich der Hessische Philologenverband (hphv) deutlich für die Arbeit mit literarischen Originaltexten aus. Klassiker der deutschen Literatur sind nicht nur Träger zeitloser Themen, sondern auch Ausdruck sprachlicher Kunst, historischer Denkweisen und ästhetischer Vielfalt. Vereinfachte Texte können zwar den Zugang erleichtern, ersetzen jedoch nicht die originale Sprachgestaltung, die wesentlich zur Wirkung und Bedeutung literarischer Werke beiträgt. Stilmittel, Mehrdeutigkeiten, Rhythmus und sprachliche Feinheiten gehen in Bearbeitungen häufig verloren. Damit wird ein zentraler Bildungsauftrag des Deutschunterrichts geschwächt: die Begegnung mit anspruchsvoller Sprache und literarischer Qualität.

„Gerade im Umgang mit Originaltexten erwerben Schülerinnen und Schüler wichtige Kompetenzen. Sie lernen, komplexe Texte zu erschließen, unbekannte Sprachstrukturen zu bewältigen und historische sowie kulturelle Kontexte zu verstehen. Diese Fähigkeiten sind nicht nur für den schulischen Erfolg, sondern auch für eine reflektierte Teilhabe an Gesellschaft und Kultur von Bedeutung“, konstatiert der hphv-Landesvorsitzende Volker Weigand.

Zudem zeigt die Unterrichtspraxis, dass Lernende bei entsprechender didaktischer Unterstützung – etwa durch Worterklärungen, Kontextualisierung oder gemeinsame Textarbeit – sehr wohl in der Lage sind, sich mit Originalen auseinanderzusetzen. Eine vorschnelle Vereinfachung birgt die Gefahr, das Leistungsvermögen von Schülerinnen und Schülern zu unterschätzen und ihnen wertvolle Lernerfahrungen vorzuenthalten.

Klassische Literatur im Original zu lesen bedeutet, junge Menschen ernst zu nehmen und ihnen Zugang zu sprachlicher Tiefe und kulturellem Erbe zu ermöglichen. Vereinfachte Texte können allenfalls ergänzend eingesetzt werden, sollten jedoch nicht den Maßstab bilden. Der Deutschunterricht bleibt nur dann seinem Bildungsanspruch treu, wenn er Literatur als das vermittelt, was sie ist: Sprache in ihrer ganzen Komplexität und Ausdruckskraft.

hphv-Pressemeldung vom 26.01.2026

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