Eine Fortbildungsoffensive für Lehrkräfte ist dringend erforderlich!
Unsere Schulen stehen vor enormen Herausforderungen, denn sie sind mit einem starken gesellschaftlichen Wandel konfrontiert. Im Zusammenhang mit der fortschreitenden Digitalisierung ist nicht zuletzt der gezielte Missbrauch von neuen KI-Werkzeugen zur Manipulation demokratischer Willensbildungsprozesse durch demokratiefeindliche Akteure zu nennen. Alle Lehrkräfte sind daher gefordert, sich diesen Herausforderungen zu stellen und ihr Wissen und ihre Handlungsmöglichkeiten ständig zu erweitern. Hinzu kommt eine große Anzahl von Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern, die das entsprechende pädagogische „Handwerkszeug“ erst erwerben müssen. Aus der Bildungsforschung wie auch aus der schulischen Praxis wird daher der Ruf nach einer Fortbildungsoffensive immer lauter.
Das Hessische Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen hat vor ca. zwei Jahren festgelegt, dass Fortbildungen der Hessischen Lehrkräfteakademie nicht mehr in der Unterrichtszeit stattfinden dürfen. Auch wenn andere Anbieter nicht an diese gebunden sind, da das Hessische Lehrkräftebildungsgesetz nach wie vor kein Verbot von Fortbildungen in der Unterrichtszeit vorsieht, hat der Druck erheblich zugenommen, Fortbildung nur noch am Nachmittag, am Wochenende oder in den Ferien zu besuchen. In anderen Bundesländern finden Fortbildungen weiterhin in der Unterrichtszeit statt, beispielsweise in der zentralen bayerischen Fortbildungsstätte in Dillingen. Das Argument für die hessische Verfügung lautet, dass kein Unterricht ausfallen dürfe. Daher dürfen ganztägige Fortbildungen der Lehrkräfteakademie nur noch am Wochenende und in den Schulferien stattfinden. Angesichts hoher Krankenstände und der gestiegenen beruflichen Belastung werden unter diesen Umständen immer weniger Fortbildungen in Anspruch genommen. Das Ministerium hat daher angekündigt, die zentralen Fortbildungsstätten in Weilburg und bei Kassel zu schließen.
Die Folge ist, dass wesentliche Fortbildungsformate, die über Jahrzehnte erfolgreich umgesetzt wurden, nicht mehr stattfinden. Angesichts der aktuellen Herausforderungen ist der Verlust von bewährten Fortbildungsangeboten, wie „Konstruktive Konfliktbearbeitung/Mediation“ oder die sogenannten Prozessentwicklungsgruppen zu Gewaltprävention und Demokratielernen, ein enormer Verlust. Andere ganztägige Fortbildungen, wie der Erwerb eines Maschinenscheins, geraten weiter unter Druck.
Schulleitungen haben in der Vergangenheit eine Teilnahme in der Unterrichtszeit nicht genehmigt, wenn dieser beispielsweise ein hoher Krankenstand im Kollegium entgegenstand. Schulleitungen haben insofern immer sehr verantwortungsbewusst dafür gesorgt, dass so wenig Unterricht wie möglich durch Fortbildungen ausfällt.
Wir fordern daher Staatsminister Armin Schwarz, dessen Ministerium die Begriffe „Bildung“ und „Chancen“ im Namen trägt, daher dazu auf, das Verdikt, Fortbildungen nicht in der Unterrichtszeit stattfinden zu lassen, aufzuheben. Notwendig ist stattdessen eine echte Fortbildungsoffensive für Lehrkräfte. Gerade in dieser Profession muss in der sich verändernden Welt von heute der Fort- und Weiterbildung höchste Priorität eingeräumt werden.
Resolution Fortbildungsoffensive zum Download
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