Wenn Jugendliche erleben, was sie können
Zehn Lehrkräfte informierten sich beim hphv über den Duke Award und neue Möglichkeiten für sozio-emotionales Lernen
„Ich hätte nie gedacht, dass ich das kann.“ Dieser Satz einer Schülerin bringt auf den Punkt, worum es beim Duke of Edinburgh’s International Award geht: Jugendliche sollen nicht nur wissen, was sie können – sie sollen es selbst erleben.
Wie solche Selbstwirksamkeitserfahrungen in Schule ermöglicht und gezielt gefördert werden können, stand im Mittelpunkt einer Online-Informationsveranstaltung des hphv am 9. September 2026. Zehn interessierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, sich über das international etablierte Bildungsprogramm und seine Einsatzmöglichkeiten in der Schule zu informieren.
Lernen, das über den Unterricht hinausgeht
Ausgangspunkt der Veranstaltung war eine einfache, aber zentrale Frage: Wann lernen Schülerinnen und Schüler wirklich fürs Leben?
Der Duke Award setzt genau dort an. Jugendliche ab 14 Jahren wählen eigene Aktivitäten, setzen sich persönliche Ziele und stellen sich über einen Zeitraum von sechs bis 18 Monaten selbst gewählten Herausforderungen. Begleitet werden sie von ausgebildeten Award Leadern, die vor allem als Mentoren und Gesprächspartner zur Seite stehen.
Dabei geht es um vier Bereiche: soziales Engagement, Fitness, Talente und Expeditionen. Gerade die Verbindung aus eigenständiger Zielsetzung, praktischem Handeln und anschließender Reflexion schafft Lerngelegenheiten, die im klassischen Unterricht nur schwer abzubilden sind.
Vom „Das kann ich nicht“ zum „Ich habe es geschafft“
Im Mittelpunkt stehen Kompetenzen wie Eigeninitiative, Selbstbewusstsein, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, Resilienz, Empathie und Verantwortungsbewusstsein. Jugendliche lernen, Herausforderungen anzunehmen, Rückschläge auszuhalten und zunehmend Verantwortung für den eigenen Weg zu übernehmen.
Besonders anschaulich wurde dies am Beispiel einer Schülerin, die im Unterricht häufig eher still bleibt, während einer Outdoor-Expedition jedoch die Führung einer Wandergruppe übernimmt: Sie organisiert, motiviert und löst Konflikte. Die anschließende Erkenntnis – „Ich hätte nie gedacht, dass ich das kann.“ – beschreibt die Wirkung des Programms besser als jede Kompetenzliste.
Auch Lehrkräfte profitieren
Der Ansatz verändert dabei auch die Rolle der Lehrkraft. Als Award Leader begleiten Lehrerinnen und Lehrer Jugendliche über einen längeren Zeitraum als Mentoren und Coaches. Dadurch entsteht Raum für Beziehung, Reflexion und die Wahrnehmung individueller Stärken. Gleichzeitig können Lehrkräfte eigene Leadership- und Coaching-Kompetenzen entwickeln und Erfahrungen in einem internationalen Netzwerk sammeln.
Für Schulen eröffnet der Duke Award darüber hinaus Möglichkeiten für Schulentwicklung und Profilbildung. Vorgestellt wurde deshalb auch ein bewusst niedrigschwelliger Einstieg: Ein kleines Leader-Team kann zunächst mit einer ersten Gruppe starten; bestehende AG-Angebote können als Anknüpfungspunkt dienen. Die Teilnahme der Jugendlichen bleibt freiwillig.
Ein internationaler Rahmen mit konkretem Schulbezug
Der Duke Award wurde 1956 von Prinz Philip und seinem ehemaligen Schulleiter Kurt Hahn in Schottland gegründet und ist inzwischen in rund 130 Ländern vertreten. In Deutschland beteiligen sich aktuell 185 Bildungseinrichtungen mit mehr als 3.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern jährlich.
Die Informationsveranstaltung zeigte damit vor allem eines: Non-formale Bildung und Schule müssen keine Gegensätze sein. Im Gegenteil: Praktische Erfahrungen, selbst gesetzte Ziele und die Übernahme von Verantwortung können eine wichtige Ergänzung zum schulischen Lernen darstellen.
Der Duke Award bietet dafür einen strukturierten Rahmen – mit einem einfachen, aber starken Leitgedanken:
„Du kannst mehr, als du glaubst!“
Die Veranstaltung wurde von Stefan Lesser, Lehrer für Geschichte und Ethik sowie Duke Award-Koordinator an der Goetheschule Wetzlar, durchgeführt.
Stefan Lesser
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