Gymnasien beim Distanzunterricht besonders krisenfest / DPhV fordert verbindliche Mindeststandards für die digitale Ausstattung an allen Schulen

vom | Kategorie: Aktuelles, DPhV Mitteilungen

Gymnasien sind auf einen möglichen erneuten Distanzunterricht deutlich besser vorbereitet als andere Schulformen. Das zeigen Erhebungen, die im Nachgang der Corona-Pandemie erstmals systematisch untersucht hatten, wie vorbereitet sich Schulleitungen und Schülerinnen und Schüler auf künftigen Distanzunterricht fühlten – und auf die das Zentrum für internationale Bildungsvergleichsstudien (ZIB) e.V. im Rahmen der Reihe „Data of the Month“ nun erneut aufmerksam gemacht hat.[1] Der DPhV wertet die Ergebnisse als Beleg für den Weitblick und das Engagement der Gymnasiallehrkräfte – und fordert zugleich, die begonnene Modernisierung der digitalen Infrastruktur an allen Schulen konsequent und mit verbindlichen Standards fortzusetzen, damit auch künftig alle Schülerinnen und Schüler unabhängig von Schulform und familiären Ressourcen bestmöglich auf digitale Lernszenarien vorbereitet sind.

„Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Unsere Gymnasien haben aus den Erfahrungen der Pandemie gelernt und ihre Hausaufgaben gemacht“, erklärt DPhV-Bundesvorsitzende Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing. „Das ist zuallererst ein Verdienst der Gymnasiallehrkräfte, die mit großem persönlichem Einsatz digitale Unterrichtsformate in ihren Schulalltag integriert haben. Diese Leistung verdient Anerkennung – und sie zeigt, was möglich ist, wenn Engagement auf funktionierende Strukturen trifft.“

Konkret fühlten sich nur 24 Prozent der Gymnasiastinnen und Gymnasiasten nicht oder nur wenig auf einen künftigen Distanzunterricht vorbereitet – bei Schülerinnen und Schülern anderer Schulformen lag dieser Anteil mit 35 Prozent deutlich höher, im Durchschnitt aller 15-Jährigen bei 30 Prozent. Auch im internationalen Vergleich schnitt Deutschland insgesamt besser ab als der OECD-Durchschnitt, in dem sich 36 Prozent der Jugendlichen unzureichend vorbereitet fühlten. Aus Sicht der Schulleitungen fiel das Bild noch positiver aus: Bundesweit sahen lediglich 6,5 Prozent von ihnen ihre Schule nicht ausreichend auf künftigen Distanzunterricht vorbereitet – ein Vertrauensbeweis in die geleistete Aufbauarbeit.

Gleichzeitig wird deutlich, wo weiterhin angesetzt werden muss: 65 Prozent der Jugendlichen nutzten während der Schulschließungen vorrangig einen Laptop, PC oder ein Tablet, um am Unterricht teilzunehmen – knapp ein Viertel (23 Prozent) griff überwiegend auf das Smartphone zurück, ein Gerät mit spürbaren Grenzen für ernsthaftes digitales Lernen. „Diese Daten zeigen: Wir dürfen uns auf dem Erreichten nicht ausruhen“, so Lin-Klitzing. „Damit alle mit geeigneten Endgeräten lernen können, brauchen wir endlich verbindliche Mindeststandards für die digitale Ausstattung unserer Schulen – nicht nur als Empfehlung, sondern als verbindliche Vorgabe der Kultusministerien als Dienstherrn.“ Konkret zählen dazu aus Sicht des DPhV vor allem:

Ebenso zentral ist aus Sicht des DPhV eine dauerhafte, verlässliche Finanzierung: Klug digital unterstützte Bildung darf nicht von Förderperiode zu Förderperiode neu verhandelt werden müssen, sondern braucht eine langfristig gesicherte Grundfinanzierung, die Schulen und Schulträgern echte Planungssicherheit gibt. Der DPhV erneuert damit seine langjährige Forderung nach diesen konkreten verbindlichen bundesweiten Mindeststandards – gerade jetzt, wo der Digitalpakt 2.0 anläuft und die Länder ihre Förderrichtlinien ausgestalten. Nur einheitliche Vorgaben verhindern, dass die bekannten Ungleichheiten zwischen den Bundesländern und den einzelnen Kommunen erneut fortgeschrieben werden.

„Die Erfahrungen der Pandemie waren ein Weckruf, und die Gymnasien haben ihn gehört“, resümiert Lin-Klitzing. „Jetzt liegt es an der Bildungspolitik, aus diesem Erfolg eine verlässliche Grundlage für alle Schulformen zu machen. Gute, klug digital unterstützte Bildung darf kein Zufallsprodukt sein – sie muss überall in Deutschland Standard werden.“

[1] Die Daten stammen aus Kapitel 10.8 „Ausblick auf das Lernen in einem zukünftigen Distanzunterricht“ des PISA-2022-Berichtsbands (Lewalter et al., 2023, S. 308): https://www.pisa.tum.de/fileadmin/w00bgi/www/Berichtsbaende_und_Zusammenfassungungen/pisa-2022-nationaler-bericht-berichtsband.pdf#page=308

DPhV-Pressemeldung vom 08.07.2026

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