hphv und DPhV sagen Nein: Hessen will kürzeste grundständige Lehrkräftebildung in Deutschland durchsetzen – alles zu Lasten der jungen Lehrkräfte

vom | Kategorie: Aktuelles, DPhV Mitteilungen, hphv Mitteilungen

Der Hessische Philologenverband (hphv) und der Deutsche Philologenverband (DPhV) weisen die aktuellen Pläne der hessischen Landesregierung zur Kürzung des Vorbereitungsdienstes in der Lehrkräfteausbildung zurück.

Demnach soll das Referendariat von 21 auf 18 Monate verkürzt, die Zahl der von den Seminarausbildenden durchgeführten Unterrichtsbesuche reduziert und der eigenverantwortliche Unterricht der Referendare von maximal 12 sogar auf 14 bis 16 Wochenstunden erhöht werden.

„Weniger Zeit für die grundständige Lehrkräfteausbildung als in allen anderen Bundesländern, unterstützt durch die weitere Kürzung des Vorbereitungsdienstes auf 18 Monate und obendrauf noch in der kürzeren Zeit eine deutliche Erhöhung des eigenverantwortlichen Unterrichts für die angehenden Lehrkräfte. Das kann man nicht als Reform verkaufen!“, nimmt die Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing, zu diesem Vorhaben Stellung.

Aktuell beträgt die vorgesehene Regelstudienzeit für das Lehramt Gymnasium in Hessen 9 Semester und für das Lehramt Grundschule 7 Semester. Die geplante Verkürzung auf 18 Monate führt zusätzlich zum bereits sehr kurzen Studium damit insgesamt zur kürzesten grundständigen Lehrkräfteausbildung in ganz Deutschland. „Wird hier gespart, um andere Projekte zu finanzieren?“ fragen wir. Die mittelmäßigen Ergebnisse bei den IQB-Bildungstrends werden dadurch mit Sicherheit nicht besser. Von gesamtgesellschaftlicher Relevanz und Wichtigkeit ist dabei auch: Demokratiebildung beruht auf fachlich fundiertem Unterricht und braucht Lehrkräfte, die im realen Unterricht – der im Vorbereitungsdienst sorgsam entwickelt und begleitet wird – den immer stärker werden Belastungen auf dem Boden unseres Grundgesetzes standhalten können. Die vorgesehene Kürzung der zweiten Phase der Lehrkräftebildung gefährdet das demokratische Fundament unserer Schulen.

DPhV und hphv warnen davor, die 21-monatige und professionell begleitete Vorbereitungszeit zu verkürzen. Qualität in der Lehrkräfteausbildung entsteht nicht im Sprint, sondern durch eine ausreichend lang und professionell begleitete Entwicklung der angehenden Lehrkräfte in ihrer Ausbildung.

„Ein komprimiertes Referendariat führt zu einer massiven Verdichtung der wichtigen praktischen Lehrkräfteausbildung“, warnt auch der hphv-Vorsitzende Volker Weigand. „Das Referendariat ist die zentrale Phase, in der angehende Lehrkräfte ihre professionelle Identität, fachliche Kompetenz und pädagogische Handlungsfähigkeit unter gut betreuten Ernstfallbedingungen entwickeln. Diese intensive Begleitung durch das Studienseminar, erfahrene Lehrkräfte vor Ort und den täglichen Umgang mit Schülerinnen und Schülern kann keine universitäre Lehrveranstaltung ersetzen. Weniger Unterrichtsbesuche bei mehr eigenverantwortlichem Unterricht in kürzerer Zeit bedeuten weniger Qualität, nicht mehr.“

Der Hessische und der Deutsche Philologenverband fordern die Landesregierung daher auf, von der Verkürzung des Referendariats auf 18 Monate abzusehen und das mindestens 21-monatige Referendariat als Qualitätsstandard beizubehalten. Es braucht jetzt dringend eine nachhaltige Stärkung der Arbeitsbedingungen angehender Lehrkräfte während der gesamten Lehrkräftebildung. „Verkürzte Ausbildungszeiten sind keine Lösung für den Lehrkräftemangel, sondern verschärfen langfristig die Probleme – für die Schulen, die Lehrkräfte, aber vor allem für die Schülerinnen und Schüler“, so Lin-Klitzing.

 hphv-Pressemeldung vom 07.09.2026

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