Hessischer Philologenverband zum neuen Schuljahr: Fortschritte anerkennen, Herausforderungen nicht ausblenden
Als „positiv unaufgeregt“ ordnet der Hessische Philologenverband (hphv) die Ankündigungen von Kultusminister Armin Schwarz zum Start des Schuljahres 2026/27 ein. Nachdem im vergangenen Sommer noch die Einschätzung war, dass es eigentlich keine wirklichen Neuerungen gegeben habe, die im Rahmen der Pressekonferenz mitgeteilt worden seien, sieht der hphv im Ausblick auf das neue Schuljahr durchaus Signale in die richtige Richtung.
„Die Förderung der Kompetenzen in den Fächern Deutsch haben wir bisher schon begrüßt und sehen die Einführung der Lesezeit als wichtigen Baustein, Sprachförderung weiter voranzutreiben“, stimmt der Landesvorsitzende Volker Weigand zu. Der hphv wünscht sich hierbei eine schnelle Ausweitung auf alle Grundschulen. Die Erweiterung der speziellen fachlichen Förderung auch auf die Mathematik kann in die gleiche Kategorie eingeordnet werden, auch da beide Fächer weiterhin nicht abwählbare Bestandteile der Abiturprüfungen sind. Den Stellenwert mathematischer Kompetenzen auszubauen, sieht der Philologenverband in vielerlei Hinsicht als bedeutsam an. Logisches und kritisches Denken, Abstraktionsvermögen und Problemlösungsstrategien würden beispielsweise geschärft und darüber hinaus auch die Grundlage für finanzielle Bildung verbessert. Allerdings sollte darauf geachtet werden, dass die Lehrkraft hier weiter trotz digitaler Unterstützungsangebote nicht auf die Bedeutung eines „Lernbegleiters“ herabgestuft werde.
Hinsichtlich der Unterrichtsversorgung insgesamt nimmt der Verband die übermittelten Zahlen zur Kenntnis, weist aber erneut darauf hin, dass diese nicht über bereits vorhandene Herausforderungen, wie den Mangel an ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrern in bestimmten Fächern (z.B. Physik), hinwegtäuschen könnten. Auch gibt es differenziert nach Schulform und Region bereits immer Schwierigkeiten, Stellen zu besetzen.
Hier mahnt der Verband an, den Stellenwert von guter Aus- und Weiterbildung nicht zu vernachlässigen. „Unsere Zielsetzung ist, weiterhin schnellstmöglich zu einer Ausbildungszeit von 21 Monaten zurückzukehren, und Fort- und Weiterbildungen nicht nur außerhalb der Unterrichtskernzeit zu ermöglichen“, erinnert Weigand an die Beschlüsse des Verbandes.
Als sinnvolle Weichenstellungen bewertet der hphv die neu geschaffene Grundlage für den konfessionell-kooperativen Unterricht, wozu man auch vor den Ferien in einem Gespräch mit Vertretern der evangelischen und katholischen Kirchen im guten Austausch gewesen sei. Außerdem gehe die Möglichkeit der Kulturbus-Nutzung in die richtige Richtung, wobei man sich dort sogar eine Ausweitung der Kapazitäten wünsche.
Die in diesem Bereich zu verortende Ergänzung durch die Dialekt-Förderung über den Runden Tisch Dialekt begrüßt der hphv weiterhin.
Hinsichtlich der datengestützten Schulentwicklung bezieht der Verband eine eher abwartende Position. „Die ersten Schritte sind nachvollziehbar, aber Grenzen bzw. Endausbau der Erfassung von Daten sind für uns noch nicht transparent genug“, sieht der hphv-Vorsitzende hier u.a. mit Blick auf Baden-Württemberg, wo man über das Ziel hinausgeschossen sei, noch Klärungsbedarf. Schule muss ein Ort pädagogischer Arbeit und Freiheit sein, die durch Datenerhebung unterstützt, aber nicht in ein Kontrollsystem überführt werden darf.
Die Weichenstellungen für die Umsetzung des Rechtsanspruchs im Ganztag versieht der hphv mit Fragezeichen, zumal die Formulierung des HMKB diesbezüglich in der eigenen Pressemitteilung zwischen den Zeilen Schwierigkeiten erkennen lasse. Die Formulierung, dass „davon ausgegangen“ werde, dass jedem Kind in der ersten Klasse ein solcher Platz zur Verfügung stehe, sei überraschend defensiv.
hphv-Pressemeldung vom 10.08.2026
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