Schulabbrecher-Statistik 2026 – Hessischer Philologenverband fordert nachhaltige Qualitätsoffensive statt bloße Statistik-Analyse

vom | Kategorie: Aktuelles, hphv Mitteilungen

Kleinere Klassenteiler perspektivisch wieder in den Blick nehmen

Wiesbaden, 09.06.2026 – Der Hessische Philologenverband (hphv) hat die jüngste Berichterstattung des Hessischen Ministeriums für Kultus, Bildung und Chancen zur Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss zur Kenntnis genommen. Der Verband bewertet die veröffentlichten Zahlen und die damit verbundenen bildungspolitischen Maßnahmen differenziert. Die Philologen erkennen ausdrücklich an, dass Hessen deutschlandweit eine der niedrigsten Schulabbrecherquoten aufweist und mit einem Wert von 6,2 bis 6,3 Prozent deutlich unter dem Bundesdurchschnitt liegt. Dies ist auch ein Beleg für das anhaltende Engagement und die hohe Professionalität der hessischen Lehrkräfte an allen Schulformen.

„Insbesondere die gezielten Fördermaßnahmen für Schülerinnen und Schüler mit sprachlichem Förderbedarf zeigen, dass Investitionen in Bildung Wirkung entfalten können“, erklärt Volker Weigand, Landesvorsitzender des Hessischen Philologenverbandes.

Bei aller Freude über die positive Statistik mahnt der hphv jedoch zur Vorsicht vor einer rein zahlenmäßigen Betrachtung. Ein genauerer Blick auf die Abgängerstatistik zeigt deutliche qualitative Hürden: Von den rund 3.790 Jugendlichen, die die Schule ohne Abschluss verließen, erhielten rund 2.100 Schülerinnen und Schüler eine sonderpädagogische Förderung. Diese absolvierten angepasste Bildungsgänge außerhalb des regulären Hauptschulabschlusses. Der Verband warnt davor, das Leistungsniveau an den allgemeinbildenden Schulen künstlich zu senken, um die Abbrecherquote ausschließlich rein rechnerisch zu drücken.

Statistischer Erfolg darf nicht durch das Aufweichen von Leistungsstandards erkauft werden“, betont Volker Weigand. „Um unsere Schülerinnen und Schüler wirklich nachhaltig auf eine Ausbildung oder ein Studium vorzubereiten, sollte der Fokus weg von aufwändigen Förderprogrammen und hin zu mehr personellen Ressourcen und Entlastung für unsere Lehrkräfte. Nur durchweg kleinere Klassen auch an den weiterführenden Schulen und mehr Zeit für den Unterricht, das sogenannte ‚Kerngeschäft‘, garantieren die individuelle Betreuung, die für echte Chancengleichheit notwendig ist.“

Ein Unterricht mit 30 Kindern bzw. Jugendlichen in einer Klasse macht eine echte individuelle Förderung, das gezielte Auffangen von Lernrückständen und eine sensible Betreuung nahezu unmöglich, betont der Verband die Herausforderungen aufgrund zahlenmäßig großer Klassen, und fordert dazu auf, mittelfristig den Klassenteiler verbindlich auf maximal 25 Schülerinnen und Schüler zu senken. Nur durch kleinere Lerngruppen können Lehrkräfte der zunehmenden Leistungsheterogenität gerecht werden und verhindern, dass Jugendliche ohne Abschluss das System verlassen.

Der Philologenverband fordert das Kultusministerium auf, die Anstrengungen nicht nur auf die reine Vermeidung von Schulabbrüchen zu konzentrieren, sondern den Fokus verstärkt auf die Stärkung der fachlichen Basiskompetenzen zu legen. Neben der bereits gut ausgebauten Sprachförderung müssen weitere Kernbereiche wie die mathematischen und naturwissenschaftlichen Kompetenzen gestärkt werden.

hphv-Pressemeldung vom 09.06.2026

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