„Bildung in Deutschland 2026“: DPhV wertschätzt die bedeutsame Berichterstattung
Der DPhV fordert verbindliche Übergangsempfehlung für die weiterführenden Schulen, um anhaltende Benachteiligung von leistungsstarken Kindern mit niedrigem sozioökonomischem Hintergrund zu beenden.
Der nationale Bildungsbericht „Bildung in Deutschland 2026“ bestätigt mit seinem diesjährigen Schwerpunktkapitel erneut, was zahlreiche Untersuchungen und Studien in der Vergangenheit gezeigt haben: Ohne verbindliche Übergangsempfehlung für die weiterführenden Schularten bleiben leistungsstarke Kinder mit niedrigem sozioökonomischem Hintergrund benachteiligt – selbst bei gleichen Leistungen und Noten. Angesichts dieser erneuten Befunde mahnt der Deutsche Philologenverband (DPhV) an, dass auf jahrelange, wertvolle Diagnosen endlich konkretes politisches Handeln folgen muss – mit einer verbindlichen Übergangsempfehlung von der Grundschule auf die weiterführenden Schularten, um leistungsstarken Kindern unabhängig vom sozioökonomischen Hintergrund den Übergang auf das Gymnasium endlich leistungsgerechter zu ermöglichen.
Bereits der letzte Bildungsbericht aus 2024 legte offen, dass bei der mehrheitlich unverbindlich geregelten Übergangsempfehlung in den deutschen Bundesländern, Eltern mit hohem sozioökonomischem Status ihre Kinder eher auf ein Gymnasium schickten als Eltern mit niedrigem sozioökonomischem Status – bei gleicher Leistung und Noten der Kinder. So ermöglichten Eltern mit niedrigem sozioökonomischem Status nur 44 Prozent ihrer Kinder den Besuch eines Gymnasiums, obwohl 51 Prozent eine Gymnasialempfehlung erhalten hatten. Hingegen ermöglichten Eltern mit hohem sozioökonomischem Status 58 Prozent ihrer Kinder den Gymnasialbesuch. Von ihnen hatten 59 Prozent eine Gymnasialempfehlung erhalten. Der aktuelle Bericht bestätigt dies und zeigt zudem: Bildungsungleichheit besteht schon vor Schuleintritt und zieht sich durch die gesamte Bildungsbiografie junger Menschen. Unter-3-Jährige aus sozial benachteiligten Familien besuchen sehr selten eine Kita, später erhalten Kinder aus sozioökonomisch benachteiligten Familien selbst bei gleichen Leistungen seltener eine Gymnasialempfehlung und wechseln auch mit dieser seltener auf ein Gymnasium. Sie nehmen seltener eine vollqualifizierende Ausbildung oder ein Studium auf (bei Jugendlichen mit Fachhochschulreife 79% aus Familien mit hohem sozioökonomischem Status und 58% aus Familien mit niedrigem sozioökonomischem Status) und brechen beides häufiger ab.
„Die regelmäßig erscheinende, umfassende Bildungsberichterstattung ´Bildung in Deutschland` bündelt wesentliche Erkenntnisse und Daten für alle im Bildungswesen Verantwortlichen und erfüllt damit eine unverzichtbare Orientierungsfunktion. Doch Daten und Befunde allein verändern nichts – sie entfalten ihren Wert erst dann, wenn die Bildungspolitik den Mut aufbringt, auf ihrer Grundlage verbindlich zu handeln“, so Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing. Und Handlungsbedarf sieht die DPhV-Bundesvorsitzende deutlich: „Ist der Elternwille für den Übergang auf die weiterführende Schule allein entscheidend, profitieren erfahrungsgemäß eher ressourcenstarke Familien. Ziel muss es jedoch sein, für jedes Kind die passgenaue Schulart zu finden, die zur Begabung und zur individuellen Lernentwicklung passt – um Überforderung und Unterforderung zu vermeiden. Es braucht also eine verbindliche Übergangsempfehlung für die weiterführenden Schulen, die den Elternwillen und zugleich die Leistungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler berücksichtigt!“ Der DPhV fordert die die Bildungsministerinnen und -minister der Länder auf: „Handeln Sie und verringern Sie endlich die herrschenden Bildungsungleichheiten nach sozialer Herkunft durch eine verbindliche Übergangsempfehlung!“
Der aktuelle Bildungsbericht „Bildung in Deutschland 2026“ findet sich hier:
https://www.bildungsbericht.de/de/bildungsberichte-seit-2006/bildungsbericht-2026/pdf-dateien-2026/bildung_in_deutschland_2026_web.pdf
DPhV-Pressemeldung vom 15.06.2026
← zurück