Datengestützte Schulentwicklung in Hessen: Hessischer Philologenverband fordert Fokus auf pädagogische Qualität statt auf Datensammeln
Zum 1. März hat das Hessische Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen (HMKB) unter der Leitung von Ina Ofenloch eine weitere Stabsstelle im Bereich „Optimale Förderung“ eingerichtet. Aus Sicht des Hessischen Philologenverbandes (hphv) unterstreicht die Einrichtung zusätzlicher Stabsstellen die hohe Bedeutung dieses Themenfeldes für die kommenden Jahre. Bereits bestehende Stabsstellen befassen sich unter anderem mit der Beschulung ukrainischer Schutzsuchender sowie mit der Werte- und Demokratiebildung.
Im November vergangenen Jahres hatte sich bereits der Deutsche Philologenverband (DPhV) zur Weiterentwicklung der datengestützten Schul- und Unterrichtsentwicklung positioniert – einem Bereich, der auch im Fokus der neuen Stabsstelle steht. Der DPhV fordert dabei insbesondere Zielklarheit, Rollenklarheit und Ressourcenklarheit. Diesen Forderungen schließt sich der hphv ausdrücklich an.
Der Verband betont, dass digitale Schulentwicklung vor allem dazu dienen müsse, Unterricht konkret zu verbessern – nicht jedoch zusätzliche Bürokratie zu schaffen. „Nach wie vor muss es in der Hand der Lehrkräfte liegen, wie sie ihren Unterricht gestalten, denn sie verfügen über die pädagogische und fachliche Expertise“, erklärt der hphv-Landesvorsitzende Volker Weigand. Daten könnten hierbei zwar ein hilfreiches Instrument sein, erforderten jedoch einen sensiblen Umgang. Zugleich warnt Weigand: „Auf keinen Fall darf die Erhebung, Sammlung und Zusammenführung von Daten der Kontrolle von Kolleginnen und Kollegen dienen.“
Aus Sicht des hphv muss deshalb kontinuierlich überprüft werden, ob der Grundsatz „Pädagogik vor Verwaltung“ tatsächlich eingehalten wird. Eine sinnvolle datengestützte Schul- und Unterrichtsentwicklung muss dazu beitragen, Lehrkräfte zu entlasten und ihnen konkrete Unterstützungsangebote für den Unterricht bereitzustellen. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund, dass sich das Land Hessen den Bürokratieabbau ausdrücklich zum Ziel gesetzt hat.
Der Hessische Philologenverband steht dem Vorhaben konstruktiv-kritisch gegenüber und sieht dem Thema noch stärkere bundesweite Bedeutung zukommen. Andere Bundesländer wie Baden-Württemberg sind bei der praktischen Umsetzung bereits deutlich weiter. „Mit Blick auf Ideen wie Schüler-ID, Bürger-ID oder Deutschland-ID gilt ein besonderer Blick dem Datenschutz, aber auch der Frage, was man mit der Verknüpfung gesammelter Daten über viele Jahre hinweg erreichen kann und erreichen will“, erwartet Weigand eine zunehmende gesellschaftliche Diskussion über das Thema, zumal im März 2026 ein Gutachten der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission (SWK) der Kultusministerkonferenz vorgelegt worden ist.
hphv-Pressemeldung vom 12.05.2026
← zurück
