Dialekte fördern ist ein sinnvoller Schritt – Hessischer Philologenverband (hphv) und Deutscher Lehrerverband Hessen (dlh) zum Tag der Muttersprache
Der Internationale Tag der Muttersprache am 21.02.2026 erinnert seit dem Jahr 2000 an die Bedeutung sprachlicher und kultureller Vielfalt sowie an die Förderung von Mehrsprachigkeit weltweit. Aus Sicht des Hessischen Philologenverbands (hphv) und des Deutschen Lehrerverbandes Hessen (dlh) knüpft das Thema Dialektförderung in Hessen besonders gut an die Anliegen dieses Tages an.
„Dialekte ergänzen die Maßnahmen zur Bildungssprache Deutsch und stehen keineswegs im Widerspruch zu dem wichtigen Ziel, Deutschkenntnisse als elementare Voraussetzung für einen erfolgreichen und individuellen Schulabschluss stärker in den Blick zu nehmen“, äußert sich der dlh-Vorsitzende Boris Krüger.
Beim Runden Tisch Dialekt, der im vergangenen Jahr als fachübergreifendes Gremium unter Federführung des Hessischen Ministeriums für Landwirtschaft und Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat (HMLU) ins Leben gerufen wurde, sind sowohl der hphv als auch der dlh vertreten. Dort werden verschiedene Ideen und Maßnahmen diskutiert, um Dialekte und regionale Sprachkultur nachhaltig zu stärken.
Eine mögliche Anbindung an Schulen könnten Projektwochen mit Abrufangeboten oder Arbeitsgemeinschaften sein. „Die Stärkung kann nur dann gelingen, wenn motivierte Lehrerinnen und Lehrer unkompliziert Anknüpfungspunkte im Umfeld der Schulgemeinde beziehungsweise der Region finden und nicht alles Material mühsam selbst erarbeiten müssen“, betont der hphv-Vorsitzende Volker Weigand. Gerade angesichts der deutlich angestiegenen Arbeitsbelastung sei dabei der freiwillige Charakter im schulischen Raum entscheidend.
Die Bedeutung von Mundart und regionaler Verbundenheit hat in den vergangenen Jahren wieder zugenommen. Dies zeigt sich etwa an zahlreichen Krimis mit regionalem Bezug oder auch an Veröffentlichungen wie Comicbänden von Asterix „auf Hessisch“. Schule kann in diesem Zusammenhang ein sinnvoller Mosaikstein sein, um sprachliche Vielfalt lebendig zu halten – und dabei auch Brücken zu Dialekten in anderen Sprachen zu schlagen.
Gerade am Tag der Muttersprache wird deutlich, dass Sprache weit mehr ist als ein Kommunikationsmittel: Sie ist Ausdruck von Identität, Herkunft und kulturellem Erbe. Dialekte können zudem das Sprachbewusstsein fördern und Kindern und Jugendlichen zeigen, dass Mehrsprachigkeit und unterschiedliche sprachliche Ausdrucksformen eine Bereicherung darstellen.
Angesichts der gestiegenen Mobilität in der Bevölkerung droht allerdings Wissen um regionale Dialekte zunehmend verloren zu gehen. Deshalb ordnen hphv und dlh die aktuellen Entwicklungen als wichtigen Anlass ein, Dialektförderung stärker zu unterstützen.
„Wenn hierzu Unterstützung auch für Schulen bereitgestellt wird, ist das eine echte Entlastung für interessierte Lehrkräfte“, sehen Krüger und Weigand kommende Projektangebote positiv. Dialektpflege könne so nicht nur zum Erhalt kultureller Vielfalt beitragen, sondern auch das Bewusstsein für Sprache insgesamt stärken.
hphv-Pressemeldung vom 21.02.2026
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