Die Schwierigkeiten des verbleibenden Schuljahrs liegen im Detail

Ralph Hartung, Mitglied des Landesvorstands des hphv, äußert sich zu Möglichkeiten von Leistungskontrollen im verbleibenden Schuljahr, Studienfahrten ins Ausland und Versetzungen.
Leistungskontrollen
Sind für die Jahrgänge 5 und 6 vermutlich die Klassenarbeiten und sonstigen Leistungskontrollen gemäß Verordnung realisierbar, so sieht dieses in den Jahrgangsstufen 7 bis 10 anders aus.

Früheste Rückkehr in den Präsenzunterricht war der 6. Mai 2021, in vielen Schulen aufgrund der Inzidenzwerte auch deutlich später, oder die Rückkehr an die Schulen ist noch gar nicht absehbar. Bleibt es bei mindestens vier Klassenarbeiten in den Hauptfächern, so reichen die Anzahl der Schultage nicht für eine stressfreie Aufnahme des Präsenzunterrichts und das Anfertigen der Klassenarbeiten an zwei oder drei (bei Wechselunterricht im A/B/C-Modell) Unterrichtstagen aus. Nimmt man noch die Nebenfächer hinzu, so ist das Problem perfekt.

Insofern wurde das HKM aufgefordert, die Mindestanzahl an Klassenarbeiten und Leistungskontrollen zu senken. Dieses ist aber juristisch nicht einfach, da eine Verordnung geändert oder durch einen Erlass ergänzt werden muss. In Aussicht gestellt hat der Minister in der Gießener Allgemeinen Zeitung am vergangenen Samstag, dass in den Hauptfächern erwartet wird, dass eine Klassenarbeit im zweiten Halbjahr geschrieben wird und in den Nebenfächern alternative Formen der Leistungsbewertung stattfinden sollen.

In der Oberstufe gibt es auch Probleme. Da die Qualifikationsphase Q2 bereits lange im Präsenzunterricht beschult wird, kann hier ein üblicher Klausurenplan durchgeführt werden. Aber in der Einführungsphase stellt sich die Situation wie in den Jahrgangsstufen 7 bis 10 dar! Auch hier sind Reduzierungen der Klausurenanzahl notwendig. Vermutlich müssen diese im KMK-Verbund erfolgen.

Studienfahrten ins Ausland

Oft finden zu Beginn des neuen Schuljahres Studienfahrten in der Q2 statt. Sofern diese ins Ausland geplant sind, bestehen große Unsicherheiten für Fahrten im ersten Schulhalbjahr. Es werden vermutlich nicht alle Teilnehmer geimpft sein, denn hierfür muss eine Erst- und Zweitimpfung vorliegen und weitere 14 Tage müssen ohne Symptome vergangen sein. Hinzu kommt, dass es Impf- und/oder Testverweigerer gibt, für die dann die Fahrt mit Spezialregelungen versehen werden. Fraglich ist auch, ob das Studienprogramm realisiert werden kann und ob die notwendigen Tests vor Ort zu finanzieren sind, da die Kostendeckelung bei Auslandsfahrten schon ohne Corona-Schutzmaßnahmen nicht einfach einzuhalten ist. Es stellt sich auch die Frage nach den Quarantänemaßnahmen nach einer Infektion, die im Ausland abzuleisten (und zu finanzieren) sind.

Das HKM ist deshalb aufgefordert, Fahrten ins Ausland im ersten Schulhalbjahr zum Schutze der Schülerinnen und Schüler sowie der Lehrkräfte zu untersagen und dadurch die volle Kostenrückerstattung zu gewährleisten. Für Fahrten im Inland sind Stufenpläne notwendig, so dass je nach Infektionslage Fahrten in die nähere Umgebung erfolgen können. Dieses unterstützt zudem die Jugendherbergen im Land.

Versetzungen

Es ist richtig, dass es im Sommer reguläre Versetzungen geben soll. Viele Schülerinnen und Schüler haben engagiert im Distanzunterricht gearbeitet und müssen hierfür eine Würdigung erfahren. Auch sind Distanz- und Präsenzunterricht im Gesetz nun gleichgesetzt, so dass eine grundsätzlich andere Situation als im letzten Schuljahr vorliegt. Die Möglichkeit des freiwilligen Rücktritts besteht noch. Und letztendlich kann in Einzelfällen auch pädagogisch versetzt werden, wenn es sich um Gründe handelt, die die Schülerin oder der Schüler nicht selbst zu vertreten hat. Hier ist das HKM aufgefordert, rechtzeitig vor den Zeugniskonferenzen Gründe darzustellen, die in der besonderen Corona-Situation als Begründung genutzt werden können. Ein grundsätzliches Aufrücken aller Schülerinnen und Schüler ist abzulehnen.

Alle drei Themen wurden von mir vor wenigen Tagen in der Konzeptgruppe des HKM angesprochen und die entsprechenden Forderungen transportiert.

11.05.21, Ralph Hartung

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