Stellungnahme des Hessischen Philologenverbandes zum Gesetzentwurf der Fraktion der SPD zur Modernisierung der Lehrkräftebildung in Hessen

Der Hessische Philologenverband begrüßt grundsätzlich Maßnahmen zur Weiterentwicklung und Unterstützung der Lehrkräftebildung. Diese Maßnahmen sollten in ihrer Planung einen positiven Effekt auf die Arbeit der Lehrkräfte in Modellversuchen oder Erfahrungen anderer Länder nachgewiesen haben oder erwarten lassen.

In dem Modell der gestuften Lehrerbildung mit einer erst spät vorgesehenen „Spezialisierung“ auf ein Lehramt (z.B. Gymnasium) unter Wegfall der Staatsprüfungen kann seitens des Hessischen Philologenverband kein positiver Effekt für die Lehrkräftebildung gesehen werden. Eine frühe, vertiefte Förderung der einzelnen Lehrämter mit ihren ganz individuellen Herausforderungen erscheint gerade in Zeiten steigenden Anspruchs alternativlos. Allein der mehrfach verwendete Begriff der Inklusion stellt Lehrkräfte je nach Alters- und Ausprägungsstufe der individuellen Besonderheiten der jeweiligen Schülerinnen und Schüler vor unterschiedliche Herausforderungen. Hier erscheint eine frühe, nach Alter und Schulform differenzierte Ausbildung der Studierenden notwendig.

Positiv gesehen wird die Überlegung, Studierenden bei einem Wechsel des Studienziels Alternativen zu ermöglichen. So soll Studierenden, die sich auf Grund z.B. von Praxiserfahrungen gegen eine Fortführung des Lehramtsstudiums entschieden haben, ein Wechsel in andere Studiengänge erleichtert werden.

Ebenfalls positiv gesehen wird die kritische Betrachtung der Modularisierung der zweiten Phase der Lehrkräftebildung (vgl. S. 21 „zu Nr. 18 (§38)“). Der kritischen Einschätzung „Sie ist gekennzeichnet durch einen Bewertungsmarathon, der defensives Lernen und Anpassung fördert.“ (ebd.) schließt sich der Hessische Philologenverband an. Eine Förderung expansiven Lernens unter Einbeziehung der individuellen Stärken der angehenden Lehrkräfte erscheint sinnvoll.

19.08.2019
Edith Krippner-Grimme, stellvertretende Vorsitzende
Andreas Lotz, stellvertretender Vorsitzender des HPHV

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