Digitalisierung an Gymnasien: DPhV fordert Strukturen, Zeit, Geld, Personal und Rechtssicherheit

vom | Kategorie: DPhV Mitteilungen

Der Deutsche Philologenverband (DPhV) hat auf seiner Vertreterversammlung am 6. Mai einen Leitantrag zur Digitalisierung an Schulen verabschiedet:
Die Corona-Pandemie und die zunehmende Digitalisierung haben einen großen Einfluss auf das Lehren und Lernen am Gymnasium. Bisherige vielfältige Unterrichtsmethoden werden durch digitale Unterrichtsformate ergänzt. Ein verändertes Rezeptionsverhalten beim Medienkonsum und beim Wissenserwerb unserer Schülerinnen und Schüler erfordert neue Methoden und neue Fähigkeiten. Ziel ist die Bildung von jungen Persönlichkeiten, die zukünftig in der Lage sein müssen, sich sicher und kompetent in einer von digitalen Medien geprägten Welt zu bewegen und gesellschaftliche Prozesse entwickeln und steuern zu können. Um die Digitalisierung der Gymnasien voranzubringen, sind zunächst folgende Forderungen zu erfüllen:

Vorbereitend und begleitend sind vom Dienstherrn Fort- und Weiterbildungen bereitzustellen, für die den Gymnasiallehrkräften entsprechende Zeitressourcen gewährt werden müssen. Außerdem sind Investitionen in den Gesundheits- und Arbeitsschutz erforderlich, um die Leistungsfähigkeit der Gymnasiallehrkräfte bis zum Ruhestand zu erhalten. Die arbeitsmedizinischen Anforderungen an Bildschirmarbeitsplätze sind in allen Gymnasien konsequent umzusetzen.

Zudem muss die Wahrung der Persönlichkeitsrechte aller am Schulleben Beteiligten im Prozess der zunehmenden Digitalisierung im Schulbereich ein durchgehendes Prinzip sein. Die konsequente Umsetzung der Datenschutzbestimmungen ist neben der strikten Einhaltung der personalrechtlichen Bestimmungen dafür eine wesentliche Bedingung.

Die Digitalisierung darf weder zu einer Entgrenzung der Arbeitszeit noch zu einer Arbeitsverdichtung führen, sondern ist im Gegenteil bei der Festlegung des Unterrichtsdeputates zu berücksichtigen. Der während der vergangenen Zeit an vielen Gymnasien parallel zum Distanzunterricht durchgeführte Präsenzunterricht hat die Doppelbelastung der Gymnasiallehrkräfte durch die Betreuung der Schülerinnen und Schüler vor Ort und zu Hause offenbart und die Notwendigkeit der gleichberechtigten Anerkennung von digitalen Unterrichtsformaten als Arbeitszeit deutlich gemacht.

 Berlin, 9.5.2022

 

 

 

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