Schulöffnungen für alle noch vor Ostern

Der Hessische Philologenverband reagiert mit völligem Unverständnis auf das unkoordinierte Vorgehen der Landesregierung
Noch Ende letzter Woche wurde seitens des Kultusministeriums in den Medien verkündet, dass es vor Ostern keine Änderungen im Schulbereich mehr geben werde. Die Halbwertszeit dieser Aussage betrug gerade einmal vier Tage.

Seit gestern gilt nun die Devise: Alle zurück in die Schulen! Für die Jahrgangsstufen ab Klasse 7 soll ab dem 22. März nun auch landesweit Wechselunterricht stattfinden. Bei der konkreten Ausgestaltung erhalten die Schulen in der Zeit vor Ostern „allerdings größtmögliche Gestaltungsfreiheit“, so Minister Lorz in seinem gestrigen Anschreiben an Schulleitungen und Eltern, wobei an mindestens einem Tag pro Woche Präsenzzeit zu gewährleisten sei.

Der Hessische Philologenverband kritisiert diese Verordnung aufs Schärfste. Erneut werden alle Entscheidungen auf die Schulen abgewälzt, klare Vorgaben werden nicht oder nur vage getroffen. Die konkrete Umsetzung stellt die Schulleitungen wiederholt vor enorme Herausforderungen: Die ständigen – meist unnötigen – Umplanungen sind für die Schulen organisatorisch unzumutbar, es liegt offensichtlich kein wirkliches Konzept vor. Für die Lehrkräfte bedeuten sie eine erhebliche Mehrbelastung, eine Organisation und Bewältigung der Online-Betreuung ist de facto nicht mehr möglich. „Welchen Sinn macht es denn, wenn Schülerinnen und Schüler ein bis zweimal vor den Osterferien in die Schule kommen sollen, um dann wieder über zwei Wochen unbeschult zu bleiben?“, fragt der Landesvorsitzende Reinhard Schwab.

Man kann nur hoffen, dass die Entscheidungen des hessischen Kultusministeriums nicht vor dem Hintergrund der anstehenden Kommunalwahlen zu Lasten des Schulwesens getroffen wurden. Immerhin geht es neben dem Anspruch auf Bildung auch um Gesundheitsschutz aller an Schule Beteiligten. Angebote für Impfungen von Lehrkräften aller Schulformen werden für nach den Ferien „angestrebt“, an regelmäßigen Selbsttests für Schülerinnen und Schüler sowie für Lehrkräfte werde „intensiv gearbeitet“.

Weitaus fragwürdiger als die willkürlichen Schulöffnungen vor Ostern sind die weitgehenden Schulöffnungen nach den Ferien. Hier sollen die Schulen wieder umfangreichen Unterricht anbieten. Für die Lehrkräfte bedeutet dies, dass Sie dann ungeschützt oder nur marginal geschützt wieder täglich im Klassenraum mit 45 bis 90 Kindern Kontakt haben müssen, ein Zusammentreffen, das in allen anderen Lebensbereichen verboten ist oder zumindest vermieden werden soll.

Aus Sicht des Hessischen Philologenverbandes ist dies ein eklatanter Verstoß gegen die dem Dienstherrn obliegende Fürsorgepflicht. Der Verband lehnt daher die geplanten Maßnahmen vor und nach den Osterferien ab, wenn nicht alle Lehrkräfte durch Impfungen geschützt werden. Dieser nötige Schutz ist natürlich auch für die Schülerinnen und Schüler einzufordern.

hphv-Pressemeldung vom 10.03.2021

← zurück