Schulbetrieb in der „Übergangsphase bis zum 31. Januar 2021“ – Politik mit Stringenz ist vonnöten

Schulen sind keine Inseln der Seligen in Pandemiezeiten, die mit dem Infektionsgeschehen nichts zu tun haben. Es verbietet sich daher, sie im Januar in den Regelbetrieb einsteigen zu lassen.
Die Präsenzpflicht wird in den Schulen nach den Vorgaben aus Wiesbaden für die Jahrgänge eins bis sechs ausgesetzt. Das Ministerium hofft dabei auf die Eigenverantwortung der Eltern hinsichtlich deren Entscheidung, ihre Kinder in die Schule zu schicken oder im Distanzunterricht zu belassen. Diese den Eltern angebotene „Wunschlösung“ wirft sowohl schulorganisatorische als auch unterrichtliche Probleme auf.

Es zeichnet sich eine „Weder-noch-Problematik“ ab: Gut gelingen kann aufgrund  wechselnd zusammengesetzter Teilklassen weder der Unterricht in den Schulen noch der Online-Unterricht, der immer noch an mangelnden Umsetzungsmöglichkeiten im Bereich der digitalen Technik leidet, beispielsweise im Hinblick auf die Versorgung mit zuverlässigen Endgeräten, leistungsstarken Breitbandanschlüssen an den Schulen und die Wartung der Ausstattung durch IT-Administratoren. Außerdem darf man den von den Lehrkräften zu leistenden Spagat, gleichzeitig Unterricht sowohl vor Ort als auch in Distanz durchzuführen, nicht unterschätzen.

Wenn ab der siebten Klasse Distanzunterricht stattfinden soll, so ist das eine begrüßenswerte Ansage des hessischen Kultusministers. Ein solcher Unterricht ist vielerorts erprobt, wenn auch diese Variante oftmals einhergeht mit einem Qualitätsverlust, da die digitalen Voraussetzungen nicht stimmen oder nicht einheitlich für die Schülerinnen und Schüler sind.

Mit der „Wunschlösung“ für die Klassen 5 und 6 werden stillschweigend fließende Übergänge von Unterricht in Betreuung in Kauf genommen. „Statt eines qualifizierten Unterrichts steht die Betreuung im Vordergrund“, so Reinhard Schwab, Vorsitzender des Hessischen Philologenverbandes, „denn mit wechselnd besetzten Lerngruppen kann keine kontinuierliche Bildung erfolgen. Betreuung ist aber keine Bildung, was die eigentliche Aufgabe von Schule sein sollte.“  In den Schulen brauchen wir verlässliche Arbeitsstrukturen für die Bildungsarbeit.

Die Losung kann nur heißen: Volldampf voraus bei der Digitalisierung! Über 11 Monate Corona-Pandemie wurden nicht genutzt, Konzepte zu erarbeiten oder die Bedingungen der Schulen zu verbessern. Ein politisches Armutszeugnis.

hphv-Pressemeldung vom 07.01.2021

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HESSISCHER PHILOLOGENVERBAND e.V.
Dr. Iris Schröder-Maiwald
Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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