„Dritte Welle“ nach den Weihnachtsferien?!

Hessischer Philologenverband fordert vorbereitende Maßnahmen für die Option „Distanzunterricht“
Präsenzunterricht muss das erklärte Ziel bleiben, daran besteht kein Zweifel. Schülerinnen und Schüler brauchen den geregelten Unterricht, schon allein da manche Unterrichtsinhalte ohne die schulischen Einrichtungen oder die Lerngemeinschaft nicht oder nur eingeschränkt umgesetzt werden können. Ausschließlicher Distanzunterricht, digitales Arbeiten zu Hause, kann nicht die angestrebte Lösung sein. Sollte jedoch die Zahl der Corona-Neuinfektionen vor Weihnachten oder nach den Lockerungen über die Weihnachtstage weiter stark ansteigen, muss diese Option wieder aufgegriffen werden, um die Gesundheit von Schülerinnen und Schülern, Eltern und Lehrkräften zu schützen.
So wie im Bereich der Ausstattung von Klassenräumen mit Schutz- und Lüftungsausrüstung sind allerdings nach wie vor immense Defizite in der Vorbereitung auf Distanzunterricht festzustellen.

Der Hessische Philologenverband fordert Kultusminister Lorz auf, endlich eine transparente Strategie für den Fall einer weiteren Erhöhung der Infektionszahlen in der Covid 19-Pandemie („dritte Welle“) zu entwickeln und gemeinsam mit den Schulträgern für die rechtlichen, organisatorischen, technischen und personellen Voraussetzungen zu sorgen, damit Distanzunterricht überhaupt durchgeführt werden kann: ein leistungsstarker Breitbandanschluss an den Schulen, leistungsfähige Endgeräte für Audio und Videos, eine datenschutzkonforme Videokonferenzsoftware, IT-Administratoren, um nur einige zu nennen. Es ist nicht hinnehmbar, dass Lehrkräfte gezwungen werden, mit nicht ausreichender rechtlicher Absicherung und unter Einschränkung ihrer Persönlichkeitsrechte sowie häufig unter Einsatz privater Ausstattung Schülerinnen und Schüler im Fernunterricht zu betreuen. In einem Wirtschaftsbetrieb wäre eine derartig unzulängliche Arbeitsgrundlage undenkbar.

Ein weiteres Problem stellt die Tatsache dar, dass eine beträchtliche Anzahl von Schülerinnen und Schülern nicht über einen ausreichenden Breitbandanschluss sowie geeignete Endgeräte verfügt, die die Übertragung von Audio- und Videodateien in entsprechender Qualität überhaupt ermöglichen.

Und selbst wenn die Mindestanforderungen wie leistungsstarkes WLAN und Leihgeräte von der Politik bereitgestellt werden, dürfen die Erwartungen an Schulen und Lehrkräfte nicht drastisch hochgefahren werden. „Auch guter Digitalunterricht will gelernt sein und bedarf eines hohen zusätzlichen Arbeitsaufwands. Letzterer wird derzeit nicht einmal im Ansatz von der Landesregierung gewürdigt“, so der Vorsitzende der hessischen Philologen, Reinhard Schwab. Die geschaffene Erwartungshaltung bei den Eltern und der Gesellschaft ist aber eine andere: weil ein gewisses Mindestmaß an Ausstattung die Schulen langsam erreicht, soll die individuelle, qualifizierte Beschulung jedes einzelnen Kindes gesichert sein. Dies ist für die Lehrkräfte – wenn überhaupt – nur unter erheblicher zeitlicher und physischer Mehrbelastung leistbar. Auch hier fordern die Philologen das Kultusministerium auf, der Fürsorgepflicht gegenüber den hessischen Lehrkräften nachzukommen und für diese zusätzliche Tätigkeit entsprechende Arbeitszeit (Anrechnungsstunden) zur Verfügung zu stellen.

hphv-Pressemeldung vom 07.12.2020

Pressekontakt:
HESSISCHER PHILOLOGENVERBAND e.V.
Dr. Iris Schröder-Maiwald
Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 0611- 33460701
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