Schulbetrieb, ja – aber nur bei konsequenter Berücksichtigung der Gefahrenlage!

Im Hinblick auf das Herunterfahren des öffentlichen Lebens prallen unterschiedliche Positionen aufeinander, von denen sich aktuell diejenige durchsetzt, die von Vorsicht und Befürchtungen vor einem Gesundheitsnotstand gekennzeichnet ist. Es sind Maßnahmen derer, die im Falle einer Notlage des Gesundheitssystems in die Verantwortung genommen werden. „Das Offenhalten der Schulen sollte grundsätzlich erstes Ziel sein, denn der Bildungsauftrag und dessen Notwendigkeit dürfen nicht gefährdet werden. Gleichzeitig wird damit auch dem Bedürfnis der jungen Menschen nach sozialer Nähe, nach freundschaftlichen Bezügen Rechnung getragen“, formuliert Reinhard Schwab, Vorsitzender des Hessischen Philologenverbandes, sehr deutlich. „Lernen und Bildung sind Beziehungsarbeit. Schulisches Lernen geschieht in Beziehungen zwischen Lehrern und Schülern sowie im Miteinander der Schüler.“  

Gleichwohl muss dringend dafür gesorgt werden, dass die Gefahrenlage für alle in der Schule Tätigen so gering wie möglich ist. Strenge Hygiene, generelles Maskentragen sowie ausreichendes Lüften sind als Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie an den Schulen mittlerweile die Regel. Nun muss schnell eine Ausdünnung der großen Lerngruppen erfolgen, um entsprechend der AHA-Regeln „abstandskonform“ unterrichten zu können und bestmögliche Bedingungen für das Lernen zu schaffen. „Nehmen Sie die Belastungen und Verunsicherungen der Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler endlich ernst und kommen Sie Ihrer Fürsorgepflicht nach“, fordert Reinhard Schwab vom hessischen Kultusminister, „denn die Schulen sind ja durch genau das gekennzeichnet, was in dieser Zeit vermieden soll: enorm viele Kontakte auf engem Raum!“ Die Landesregierung minimiert einerseits persönliche Kontakte bis in die Kernfamilien hinein, Landesbedienstete werden aber gezwungen, mit dreißig Personen aus dreißig unterschiedlichen Familien viele Stunden in engen Räumen zu verbringen. Und das mehrfach am Tag.

In den Schulen haben wir uns schon länger vom Normalbetrieb verabschiedet, offiziell spricht man derzeit von einem „eingeschränkten Regelbetrieb“. Hier jagt, der Ausnahmesituation geschuldet und von der Kultusbürokratie initiiert, ein schulisches Konzept das nächste; der administrative Aufwand, der mit der Pandemie verbunden ist, beeinträchtigt massiv das Kerngeschäft der Lehrkräfte. Höchst problematisch ist zudem die außerordentliche Belastung der Lehrkräfte, die in vollem Umfang den strapaziösen Präsenzunterricht, z.B. durch das Maskentragen, schultern müssen und gleichzeitig die zunehmende Zahl an häuslichen Distanzschülern („Quarantäneschülern“), zu versorgen haben. Nach wie vor sind zahlreiche Schulen in Hessen in technischer Hinsicht miserabel ausgestattet, und auch in den privaten Haushalten fehlt es oftmals an ausreichendem Internet oder digitalen Endgeräten. Notfalls muss die Lehrkraft zum Telefon greifen und Einzelunterricht erteilen. Mittlerweile geht es um die letzte Verteidigungslinie vor flächendeckenden Schulschließungen, dem landesweiten Ernstfall. Das Bildungssystem ist für diese außerordentliche Situationen definitiv nicht hinreichend gerüstet.

hphv-Pressemeldung vom 30.10.2020

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HESSISCHER PHILOLOGENVERBAND e.V.
Dr. Iris Schröder-Maiwald
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