Regulärer Schulbetrieb vor den Sommerferien?

Der Hessische Philologenverband spricht sich entschieden dagegen aus
Hessens Kultusminister Alexander Lorz will einen Regelbetrieb an Schulen in den zwei Wochen vor den Sommerferien „ernsthaft prüfen“. Hintergrund sind Vorschläge von Medizinern, die Schulen zwei Wochen vor den Ferien für alle zu öffnen und diese Zeit als Testphase zu nutzen, um Erfahrungen zu sammeln.

Unbestritten, dass Kultusminister sein derzeit ein heikler Job ist, der dem Tanz auf einem Vulkan gleicht. Von sehr unterschiedlichen Seiten werden Erwartungen herangetragen. Dass sich Kultusminister Lorz an der Wissenschaft orientiert, ist zwar löblich, allerdings vergisst er dabei augenscheinlich, dass wissenschaftliches Arbeiten auch Risiken birgt. Und wenn der Infektionsforscher Erfahrungen mit dem Regelbetrieb der Schulen sammeln will, geschieht dies einzig zu Lasten der ‚Versuchskaninchen‘ namens Lehrkräfte und Schüler. Diese werden einer unnötigen Gesundheitsgefahr ausgesetzt, die sie zwar in den sich anschließenden Sommerferien auskurieren könnten: Sechs Wochen Quarantäne stehen dann ja zu Verfügung, aber was wäre mit dem Versuchsballon „Regelbetrieb“ gewonnen, wenn die Infektionszahlen wieder in die Höhe schnellen? Noch mehr Lehrkräfte – auch für den Fernunterricht – könnten ausfallen, weil sie sich infiziert haben, für die Älteren teils mit unabsehbaren Folgen? Würde damit nicht auch der Lehrbetrieb für das nächste Schuljahr infrage gestellt?

So sehr wir uns die gewohnte schulische Arbeitssituation herbeisehnen, es spricht nicht viel dafür, Risiken einzugehen, die nicht kalkulierbar sind. „Keine übereilten Schritte bei weiteren Schulöffnungen!“, so Reinhard Schwab, Vorsitzender des Hessischen Philologenverbandes. Der jetzige Krisenmodus sollte beibehalten werden. Nach den Ferien kann das Motto „volle Kraft voraus“ lauten, wenn die Infektionszahlen es zulassen!

hphv-Pressemeldung vom 09.06.2020

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