Wenn die Schule nach der Corona-Krise wieder losgeht: Anpassung der curricularen und rechtlichen Rahmenbedingungen unbedingt notwendig

Momentan werden über 800.000 Schülerinnen und Schüler allein in Hessen digital unterrichtet. Dies ist eine noch nie dagewesene Ausnahmesituation und stellt Schule und Elternhäuser vor enorme Herausforderungen. Es zeigt sich: Die Schere zwischen leistungsschwachen und leistungsstarken Schülern geht durch die momentane Situation noch weiter auf. Lernerfolg ist mehr denn je von den häuslichen Gegebenheiten abhängig.

Mit Blick auf die nahenden Osterferien stellt sich immer vehementer die Frage: Wie kann es nach der Zeit des Homeschooling weitergehen? Curricula müssen im Hinblick auf den Unterrichtsausfall revidiert werden, ebenso der Einführungserlass für die aktuelle Jahrgangsstufe Q 2, der die verbindlichen Inhalte für die Abiturprüfungen regelt. Wie bereits durch die geltenden Schulgesetze in Ansätzen ermöglicht wird, müssen Regelungen für schriftliche Leistungsnachweise derart angepasst werden, dass diese reduziert oder durch andere Formen der Leistungsmessung ersetzt werden.

Selbst wenn nach den Osterferien bestenfalls zehn volle Schulwochen übrig bleiben, kann keinesfalls zur Tagesordnung übergegangen werden: Schüler, die fünf Wochen lang unter den unterschiedlichsten Bedingungen zuhause verbracht haben, müssen sich wieder an die Arbeit in der Schule gewöhnen. Schulklassen müssen wieder zu einem funktionierenden sozialen Gefüge zusammenwachsen. Was normalerweise nach den Sommerferien mindestens zwei Wochen dauert und durch Wandertage und Klassenfahrten pädagogisch unterstützt wird, muss nun mitten im Schuljahr passieren. Daher muss die Zeit zwischen dem Wiederbeginn der Schule und den Sommerferien dazu genutzt werden, dass alle Schülerinnen und Schüler sich wieder an einen geregelten Unterricht gewöhnen und sich auf den gleichen Stand bringen können, anstatt neue Unterrichtsinhalte zu vermitteln. Grundlagen, die jetzt durch fehlenden Regelunterricht nicht gelernt und gefestigt werden können, werden den Lernenden jahrelang Schwierigkeiten bereiten.

Eine enorme pädagogische und organisatorische Herausforderung steht sowohl den Schülern und ihren Eltern als auch den Lehrkräften und Schulen in den nächsten Monaten bevor. Der Ausschuss für berufspraktische Fragen des Hessischen Philologenverbandes hphv fordert daher das Kultusministerium auf, die Schulen und Lehrkräfte mit Augenmaß bei den curricularen und rechtlichen Rahmenbedingungen zu unterstützen, damit sie diese Herausforderung bewältigen können.

 

 

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