Hessischer Philologenverband – Vertretertag 2018 in Marburg: „Kerngeschäft Unterricht?“

Der gymnasiale Bildungsanspruch stößt sich zunehmend an der widrigen Realität. Neben der Unterrichtsverpflichtung warten allzu oft grundlegende erzieherische Aufgaben auf die Lehrkräfte, Belastungen durch Integration und Inklusion verschärfen die Situation. Die zunehmende Bürokratisierung beansprucht die Lehrkräfte, das „Kerngeschäft Unterricht“ leidet merklich. Um sich über genau dieses Kerngeschäft zu verständigen, trafen sich im Hessischen Philologenverband organisierte Gymnasiallehrerinnen und -lehrer für zwei Tage in Marburg.

Dem Motto der diesjährigen Vertreterversammlung entsprechend unterstrichen die Delegierten noch einmal in aller Deutlichkeit die Forderung nach Maßnahmen zur Förderung und Sicherung von Unterrichtsqualität.
Zentrale Forderungen sind auch die Verlässlichkeit des Abiturs, d.h. das fachliche Leistungsniveau der Schülerinnen und Schüler abzusichern. Das Gymnasium erfreut sich einer hohen Akzeptanz, das Abitur ist der begehrteste Schulabschluss in Deutschland, es gilt als die beste Voraussetzung für einen Studienerfolg. Die Abschlussnoten entwickeln sich zwar auffallend gut, bessere Noten bedeuten aber nicht zwangsläufig eine höhere Qualität. Klagen von Unternehmen und Universitäten häufen sich, die Rate der Studienabbrecher steigt.

Die hessischen Philologen fordern daher mit Nachdruck, dass gymnasiale Bildungsgänge darauf ausgerichtet sein müssen, dass mit dem Abiturzeugnis bestimmte Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten auf Seiten der Schülerinnen und Schüler vorausgesetzt werden können. Vertiefte Allgemeinbildung und Studierfähigkeit der Absolventen sollten klar nachweisbar sein. Dazu muss man sich über die wesentlichen Lerninhalte verständigen, das fachliche Niveau der Schülerinnen und Schüler absichern, klare Qualitätsstandards definieren, den wissenschaftspropädeutischen Auftrag der Oberstufe ernst nehmen, auf Gründlichkeit und Vertiefung beim Umgang mit den Fachinhalten achten.
Die hessischen Philologen haben auf ihrem Vertretertag wieder einmal gezeigt, wie ernst sie ihren Bildungsauftrag nehmen und dass qualitativ hochwertiger Unterricht und ein leistungsfähiges, erfolgreiches Gymnasium nicht ohne die entsprechend guten Rahmenbedingungen zu haben sind.

Die auf der Vertreterversammlung verabschiedeten Resolutionen

  1. Gymnasiales Bildungsverständnis im Spiegel der Schulrealität – mehr Bildung, auch Kompetenzen! Resolution 1
  2.  Gesetzesbruch des Hessischen Kultusministeriums beenden Resolution 2
  3. Forderung nach angemessenem und wertschätzendem Umgang mit den vielen Gefährdungs- und Überlastungsanzeigen von Kollegien und Schulleitungen Resolution 3

Pressemeldung vom 16.11.2018

Einen ausführlichen Bericht über die Vertreterversammlung finden Sie demnächst in Blickpunkt Schule 5/2018.

Kontakt:
Dr. Iris Schröder-Maiwald
Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 0611 33460701
Mail: schroeder-maiwald@hphv.de

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