Ein Hoch auf die hessische Schulpolitik: Kultusminister Lorz blickt durch eine rosarote Brille. Der Philologenverband betrachtet die Situation weitaus kritischer.

In der heutigen traditionellen Pressekonferenz zu Schuljahresbeginn gab es seitens des Kultusministers jede Menge Superlative: Hessens Schulen seien „hervorragend“ aufgestellt, Schulen seien „bestens“ ausgestattet, die Lehrerversorgung sei „einmalig“ gut, die Ausgaben für Bildung seien auf einem historischen „Höchststand“.
Die Schritte der schwarz-grünen Landesregierung zur Stärkung der Schul- und Bildungspolitik erkennt der Hessische Philologenverband sehr wohl an, weist aber darauf hin, dass die Rahmenbedingungen an Gymnasien und in gymnasialen Bildungsgängen zu wenig Beachtung finden.

Der Schülerstrom an das Gymnasium ist nach wie vor ungebrochen. In einigen Regionen beträgt die Übergangsquote an diese Schulform weit mehr als 50 Prozent. Die erfolgte Kürzung der Stellenzuweisungen in der gymnasialen Oberstufe hat die Gymnasien trotz erfolgter hälftiger Rücknahme in ihrem Handlungsspielraum eingeschränkt.

Die 700 neuen Stellen für sozialpädagogische Fachkräfte sind ein Schritt in die richtige Richtung, denn zweifellos leisten sozialpädagogische Fachkräfte wichtige pädagogische Arbeit an den Schulen. Sie unterstützen die Lehrkräfte und entlasten diese in oftmals schwierigen Situationen mit den Schülerinnen und Schülern, erteilen aber selbst keinen Fachunterricht. Die erfolgten Maßnahmen des Ministers klingen nach einer positiven Zusage in Sachen Bildungssicherheit, bannen aber nicht die Gefahren für die Bildungsqualität. Eine weitere Aufstockung ausgebildeter Lehrkräfte und weitere finanzielle Ressourcen zur qualitativen Sicherung des Fachunterrichts sind nach wie vor unerlässlich.

Dazu kommen an den Gymnasien die mit der Inklusion geschaffenen, aber oftmals dementierten Probleme. Wer Inklusion ernst nimmt, muss die Rahmenbedingungen schaffen, dass diese auch gelingen kann. Dies bedeutet die Beibehaltung des Förderschulsystems, die erhebliche Reduzierung der Klassengrößen der Regelklassen, wenn inklusiv beschulte Kinder am Unterricht teilnehmen, und außerdem die Ausstattung der Schulen mit zusätzlichem und qualifiziertem pädagogischen Personal zur Mitbetreuung der entsprechenden Klassen.

Dies zu gewährleisten, ist die vordringliche Aufgabe des Kultusministeriums. Gleichzeitig muss sichergestellt werden, dass die Lehrkräfte, die Schülerinnen und Schüler mit besonderem Förderbedarf betreuen, über das nötige Fachwissen verfügen und entsprechend qualifiziert wurden. Der Hessische Philologenverband fordert das Kultusministerium auf, inklusive Beschulung strikt an den Bildungsmöglichkeiten und am Wohl der Schülerinnen und Schüler zu orientieren. Dies schließt auch die Rechte und das Wohl derjenigen Kinder mit ein, die ohne besonderen Förderbedarf beschult werden.

Die Maßnahmen zur Förderung der Bildungssprache Deutsch befürworten die hessischen Philologen. Es ist festzustellen, dass die Ausdrucksfähigkeiten der Kinder und Jugendlichen zunehmend deutliche Mängel aufweisen. Deshalb müssen mehr zeitliche und personelle Ressourcen für Förderung und Übung zur Verfügung gestellt werden, um die deutsche Sprache von der Basis her auf angemessenem Niveau zu stärken.

Seit Jahren fordert der Hessische Philologenverband daher aus gutem Grund kleinere Klassen und Kurse, in denen individueller auf die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler eingegangen werden kann. Dazu ist eine Senkung der Unterrichtsverpflichtung von Lehrkräften mehr als überfällig, um die vom Kultusminister immer wieder beschworene „bestmögliche Qualität“ sicher zu stellen. Gerade auch im gymnasialen Bereich sind dringend Investitionen vonnöten, damit leistungsstarke und leistungswillige Schülerinnen und Schüler ab der 5. Jahrgangsstufe auf angemessenen Lehr- und Lernwegen eine qualifizierten allgemeine Hochschulreife erreichen können, wobei insbesondere das wissenschaftspropädeutische Arbeiten berücksichtigt werden muss.

Pressemeldung vom  02.08.2018

Kontakt:
Dr. Iris Schröder-Maiwald
Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 0611 33460701
Mail: schroeder-maiwald@hphv.de

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