Gymnasium – eine Schule für viele, aber nicht für alle

Die Entwicklung der Übertrittsquoten von der Grundschule an das Gymnasium zeigt dessen ungebrochene Attraktivität. Für viele Eltern ist die ideale Bildungsbiografie ihrer Kinder vorgezeichnet: Grundschule, Gymnasium, Abitur. Der Hessische Philologenverband, die Gewerkschaft der Gymnasiallehrerinnen und -lehrer in Hessen, weist aber darauf hin, dass unbedingt mitbedacht werden muss, dass die Kinder in eine Schulform wechseln, deren Alleinstellungsmerkmal die Vermittlung einer vertieften Allgemeinbildung mit dem Ziel einer generellen Studierfähigkeit ist.

Der gymnasiale Bildungsgang umfasst einen hohen Wissens- und Kompetenzerwerb, repräsentiert durch einen breiten Fächerkanon. Dies lässt sich auf Seiten der Lernenden nicht nebenbei erreichen: Anstrengung, Konzentration, Lernbereitschaft und Lernfähigkeit der Kinder und Jugendlichen sind erforderlich. Und ohne Frustrationstoleranz geht es auch nicht.

„Das Gymnasium bietet den Königsweg zur allgemeinen Hochschulreife, falsch wäre es aber“, so Reinhard Schwab, Oberstudienrat und Vorsitzender des Pädagogischen Ausschusses, „damit einen alleinseligmachenden Anspruch zu verbinden“. Der Weg über eine andere Schulform, etwa eine Realschule, kann ebenfalls zu einer qualifizierten Berufsausbildung oder zum späteren Übergang auf ein Gymnasium und dann zum Abitur führen. Die deutsche Bildungslandschaft eröffnet vielfältige und flexibel nutzbare Chancen, Weichen können immer wieder neu gestellt werden. Beim ‚Weichenstellen‘ kommt der  Bildungsempfehlung der Grundschulen eine besondere Bedeutung zu. Grundschullehrkräfte sind in der Regel sehr gut in der Lage, die Eignung eines Kindes für die weiterführenden Schulformen einzuschätzen. Eine hohe Aussagekraft besitzen dabei die Leistungen in den Fächern Deutsch und Mathematik. Da in Hessen die Übertrittsempfehlung der Grundschulen nicht bindend ist und der Elternwille zählt, tragen letztlich die Eltern die Verantwortung für die Bildungsentscheidung. Der Verband der hessischen Gymnasiallehrkräfte appelliert daher an die Eltern, stets das Wohl ihres Kindes im Auge zu haben, wobei sie dessen Belastbarkeit, psychische Stabilität, Lernbereitschaft sowie Selbstständigkeit berücksichtigen müssen. Schülerinnen und Schüler brauchen Ziel und Halt – im Gymnasium oder eben auch in einer anderen Schulform.

Pressemeldung vom 06.06.2018

Kontakt:
Dr. Iris Schröder-Maiwald
Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 0611 33460701
Mail: schroeder-maiwald@hphv.de

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