Tag der Handschrift am 23. Januar: Hat das Handschreiben ausgedient?

hphv-logoHeute ist der Tag der Handschrift. Immer mehr Kinder tun sich schwer mit dem Handschreiben.
Jedes Jahr wird der 23. Januar in den USA als National Handwriting Day begangen. Ein Anlass für den Hessischen Philologenverband, den Blick auf die Situation an hessischen Schulen zu richten. Lehrkräfte beobachten immer häufiger, dass Schülerinnen und Schüler Schwierigkeiten mit dem Handschreiben haben. Beunruhigende Ergebnisse brachte bereits im Jahr 2015 eine Umfrage, die der Deutsche Lehrerverband (DL) gemeinsam mit dem Schreibmotorik Institut, Heroldsberg, durchgeführt hat. Danach meinen vier Fünftel (79 Prozent) der an der Erhebung beteiligten Lehrerinnen und Lehrer an weiterführenden Schulen, die Handschrift ihrer Schülerinnen und Schüler habe sich im Schnitt verschlechtert. In Hessens Grundschulen wird keine einheitliche Ausgangsschrift gelehrt. Es gibt drei Varianten einer Verbundschrift (die Lateinische Ausgangsschrift, die vereinfachte Ausgangsschrift, die Schulausgangsschrift) und dazu noch die unverbundene, drucknahe „Grundschrift“, die sich der Grundschulverband ausgedacht hat. Die Schulen entscheiden, welche Schrift sie den Schülern beibringen. Nicht selten bleibt es dabei, dass Kinder nur noch Druckschrift beherrschen.

Der Hessische Philologenverband sieht es als problematisch an, wenn in den Schulen immer weniger Wert auf ein gut lesbares, auch verbundenes Handschreiben gelegt wird. Schreibmotorische Fähigkeiten drohen zu verkümmern. „Gute Schreiber sollten Lob ernten von den Lehrkräften, hin und wieder kann ein Bekenntnis zur Ästhetik des Schreibens nicht schaden“, merkt der Vorsitzende des Pädagogischen Ausschusses, Reinhard Schwab, an. Kritisch zu hinterfragen ist der Trend weg vom Schreibblock, hin zur Computertastatur und zum Display. Die – zweifelsohne sinnvolle – technische Unterstützung im Zeitalter von Computer, Tablets und Smartphones sollte nicht dazu führen, dass die individuelle Handschrift, eine zentrale Kulturtechnik, verloren geht.

Die hessischen Philologen setzen sich explizit für das Handschreiben und eine verbundene Handschrift ein. Reinhard Schwab findet dazu deutliche Worte: „Im sorgfältigen Schreiben spiegelt sich sorgfältiges Denken. Die Konzentration auf gutes Schreiben erhöht die Chancen auf klares Denken und eine sichere Rechtschreibung.“ Beim Schreiben mit der Hand werden andere und mehr Hirnregionen aktiviert als beim Tippen einzelner Buchstaben. Studien aus den Vereinigten Staaten, Kanada und Frankreich haben ergeben, dass eine Verbundschrift Vorteile im Hinblick auf das Aneignen und Merken von Texten bringt.

Eine Forderung des Hessischen Philologenverbandes ist, dass die Schülerinnen und Schüler während der vierjährigen Grundschulzeit eine verbundene Schreibschrift erlernen, damit sie in die Lage versetzt werden, flüssig und in einem angemessenen Tempo zu schreiben sowie eine Handschrift zu lesen (z.B. den Tafelanschrieb der Lehrkraft oder den Aufsatz des Mitschülers). In den weiterführenden Schulen geht es dann um die individuelle Weiterentwicklung des Handschriftlichen, nicht um eine stark reglementierte Schrift.

Das Handschriftliche wird auch weiterhin seine Bedeutung als Mittel der Kommunikation haben: Man sollte den Grundschülern die Gelegenheit geben, eine gute Schreibschrift zu erlernen.

Pressemeldung vom 22.01.2018

Kontakt:
Dr. Iris Schröder-Maiwald
Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 0611 / 33460701
E-Mail: schroeder-maiwald@hphv.de

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