Für das Erfolgsmodell Gymnasium

VVHessischer Philologenverband – Vertretertag 2017 in Weilburg
Für das Gymnasium als Erfolgsmodell im Sinne eines leistungsfähigen Schulwesens setzen sich die im Hessischen Philologenverband organisierten Lehrkräfte an Gymnasien, Gesamtschulen und anderen Schulen mit gymnasialem Bildungsangebot schon immer ein. Dem Motto der diesjährigen Vertreterversammlung entsprechend unterstreichen die Delegierten aus über 260 Schulen noch einmal in aller Deutlichkeit die Forderung nach Maßnahmen zur Förderung und Sicherung von Unterrichtsqualität.

Eine der zentralen Forderungen ist die Stärkung der Bildungssprache Deutsch. So ist es notwendig und muss verbindlich sein, dass die Schülerinnen und Schüler sich differenziert und variierend über komplexe Sachverhalte auszudrücken lernen. Gleichzeitig ist festzustellen, dass die Ausdrucksfähigkeiten der Kinder und Jugendlichen zunehmend deutliche Mängel aufweisen. Deshalb müssen mehr zeitliche und personelle Ressourcen für Förderung und Übung zur Verfügung gestellt werden, um die deutsche Sprache von der Basis her auf angemessenem Niveau zu stärken.

Weiterhin fordern die hessischen Philologen eine Klärung, was das Gymnasium in der heutigen Zeit leisten soll. Aus ihrer Sicht ist eine Rückbesinnung auf die Kernfunktion des Gymnasiums notwendig: leistungsstarke und leistungswillige Schülerinnen und Schüler ab der 5. Jahrgangsstufe auf angemessenen Lehr- und Lernwegen zu einer qualifizierten allgemeinen Hochschulreife zu führen, wobei insbesondere das wissenschaftspropädeutische Arbeiten berücksichtigt werden muss. In den letzten Jahren hat das Gymnasium einen breiten Zustrom an Kindern unterschiedlichster Begabung erfahren, die zunehmend nicht dem gymnasialen Anforderungsprofil entsprechen; immer mehr Kinder und Jugendliche mit durchschnittlichem bis mäßigem Lernvermögen besuchen das Gymnasium, welches ihnen aufgrund von Arbeitsweise und Struktur nicht die bestmögliche Förderung bieten kann.

Grundprinzip der Schul- und Bildungspolitik sollte sein: Fördern und Fordern – nicht überfordern, aber eben auch nicht unterfordern! Dazu braucht es möglichst ideologiefreie Rahmenbedingungen. Das Gymnasium sollte  n i c h t  zur Gemeinschaftsschule werden – läuft aber Gefahr, dies zu tun! Der Hessische Philologenverband mahnt dringend eine Abkehr von der einseitigen und schädlichen Fokussierung von Politik, Gesellschaft und Eltern auf das Abitur an. Jedes Kind soll an einer passenden Schule seine Talente und Fähigkeiten bestmöglich entwickeln und Erfolgserlebnisse zur Stärkung seiner Persönlichkeit erfahren können.

Dazu kommen an den Gymnasien die mit der Inklusion geschaffenen, aber oftmals dementierten Probleme. Wer Inklusion ernst nimmt, muss die Rahmenbedingungen schaffen, dass diese auch gelingen kann. Dies bedeutet die Beibehaltung des Förderschulsystems, die erhebliche Reduzierung der Klassengrößen der Regelklassen, wenn inklusiv beschulte Kinder am Unterricht teilnehmen, und außerdem die Ausstattung der Schulen mit zusätzlichem und qualifiziertem pädagogischen Personal zur Mitbetreuung der entsprechenden Klassen.

Dies zu gewährleisten, ist die vordringliche Aufgabe des Kultusministeriums. Gleichzeitig muss sichergestellt werden, dass die Lehrkräfte, die Schülerinnen und Schüler mit besonderem Förderbedarf betreuen, über das nötige Fachwissen verfügen und entsprechend qualifiziert wurden. Der Hessische Philologenverband fordert das Hessische Kultusministerium auf, inklusive Beschulung strikt an den Bildungsmöglichkeiten und am Wohl der Schülerinnen und Schüler zu orientieren. Dies schließt auch die Rechte und das Wohl derjenigen Kinder mit ein, die ohne besonderen Förderbedarf beschult werden. Gleichzeitig fordert der Philologenverband den flächendeckenden Fortbestand der Förderschulen, um den Eltern und Schülern eine tatsächliche Schulwahl zu ermöglichen.

Um den Anforderungen der zunehmend heterogeneren Lerngruppen gerecht werden zu können, appelliert der Philologenverband an das Hessische Kultusministerium und die Landesregierung, der gesetzlich verankerten Fürsorgepflicht gegenüber den Bediensteten in verstärktem Maße nachzukommen und die Lehrerarbeitszeit erheblich zu reduzieren, die Aufgaben von Lehrkräften zu präzisieren und von berufsfremden Tätigkeiten zu entlasten.

Die Vertreterversammlung beschäftigte sich überdies mit neuen Unterrichtskonzepten, insbesondere im Zusammenhang mit den digitalen Medien. Diese etablieren sich nur sehr langsam in den Schulen, nicht zuletzt wegen der nach wie vor oftmals veralteten technischen Ausstattung. Die digitalen Medien sind hierbei nicht Selbstzweck, sondern Arbeitsmittel, die kontextgebunden und situativ eingesetzt werden und damit die alltägliche Arbeit im Unterricht erleichtern können. Im besten Falle führen sie zu besseren Lernergebnissen, in jedem Falle aber entwickeln die Schülerinnen und Schüler einen versierten Umgang mit diesen Medien, den sie benötigen, um in der Gesellschaft teilhaben zu können. Die hessischen Philologen fordern daher eine adäquate technische Ausstattung von Schulen sowie die Bereitstellung von technischen Arbeitsmitteln für Lehrkräfte. Technische Assistenten an allen Schulen, eine zeitgemäße Lehrerausbildung im Bereich der Digitalisierung des Unterrichts ebenso wie qualifizierte Fortbildungsangebote für den technischen und pädagogischen Umgang mit Medien. Der vor gut einem Jahr angekündigte „Digitalpakt für Deutschland“, der den deutschen Schulen fünf Milliarden Euro zur Verfügung stellen sollte, muss nun schnellstmöglich umgesetzt werden.

Die hessischen Philologen haben auf ihrem Vertretertag wieder einmal gezeigt, wie ernst sie ihren Bildungsauftrag nehmen und dass ein leistungsfähiges, erfolgreiches Gymnasium nicht ohne die bestmöglichen Rahmenbedingungen zu haben ist.

Die verabschiedeten Resolutionen im Einzelnen:

  1. Bildungssprache Deutsch stärken!
  2. Das Gymnasium darf nicht zur ‚Gemeinschaftsschule‘ werden!
  3. Fürsorge
  4. Inklusion
  5. Zur Digitalisierung des Unterrichts und deren Umsetzung in der Schule
  6. Aufwertung des Elite-Begriffs!

Pressemeldung vom 10.11.2017

Kontakt:
Dr. Iris Schröder-Maiwald
Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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