Stellungnahme des HPhV zum Entwurf – Verordnung für Berufliche Orientierung in Schulen (VOBO)

hphv-logoDer Hessische Philologenverband ist der Meinung, dass  es sich bei dem o. a. Entwurf um eine Überarbeitung der bestehenden Verordnung und deren Präzisierung handelt. Insofern erübrigt sich für den HPhV eine grundsätzliche, detaillierte neue Stellungnahme. Da unsere Anmerkungen zu der bestehenden Verordnung nur in sehr geringem Umfang Eingang in die Verordnung gefunden hatten, bleibt es weiterhin bei den vom HPhV 2015 formulierten und vorgelegten Bedenken.

Wir kritisieren weiterhin

  • die erhebliche Bürokratisierung, die an vielen Schulen schlicht nicht leistbar ist.
  • die deutliche generelle Favorisierung der beruflichen gegenüber der akademischen Bildung.
  • die mangelnde Berücksichtigung der Spezifika des Gymnasiums und dessen besonderen und eigenständigen Bildungsauftrag.
  • Nach wie vor wird auch der erheblichen zeitlichen Belastung der Koordinatorinnen oder Koordinatoren nicht Rechnung getragen. Der Verweis auf die Möglichkeit der Wahrnehmung der Aufgaben im Rahmen einer A14 Stelle an Gymnasien ist deshalb nicht zielführend, weil diese Möglichkeit ja auch an beruflichen Schulen bestünde, dort aber entsprechende zeitliche Entlastungen vorgesehen und gewährt werden.

Allerdings enthält der Entwurf der VOBO auch einige neue Aspekte und Änderungen, die der HPhV kritisch sieht und daher thematisieren will:

§ 11 Kompetenzfeststellung

Auch wenn das Gymnasium hier nicht direkt betroffen ist, sieht der HPhV in diesem Bereich eine unzumutbare Mehrbelastung der Lehrkräfte. Die Kompetenzfeststellung setzt Fähigkeiten bei Lehrkräften voraus, die auf außerfachlichen Gebieten meist wenig ausgeprägt sind. Darüber hinaus stellt das Verfahren einen zeitlichen Aufwand dar, der zu Lasten des Regelunterrichts und damit der in Schule grundsätzlich zu vermittelnden Fähigkeiten und Fertigkeiten gehen wird.

§ 20 Vor- und Nachbereitung der Betriebspraktika

(3) Den Lehrkräften müsste hierzu eine Handreichung gegeben werden, die verbindlich die allgemeinen Regeln für die Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit in den Unternehmen definiert. Ansonsten laufen Lehrkräfte Gefahr, wichtige Hinweise zu übersehen. Auch ist fraglich, ob diese Anforderung nicht durch die gezielten Belehrungen in den Betrieben obsolet ist.

§ 21 Anzahl und Dauer der Betriebspraktika

Die Anforderung, zwei Betriebspraktika innerhalb kurzer Zeit durchzuführen, überfordert Schulen und Betriebe. So wird es in einigen Regionen immer schwieriger, geeignete Praktikumsplätze zu finden. Auch wird immer schwerer nachvollziehbar, warum im Bildungsgang Gymnasium, der sein vornehmliches Ziel darin hat Schülerinnen und Schüler auf ein Studiengang oder einen akademischen Beruf vorzubereiten, zwei verpflichtende Betriebspraktika vorzusehen sind.

§ 22 Vorbereitende Maßnahmen

Für die beauftragten Lehrkräfte bedeutet die Durchführung der Praktika eine erhebliche zusätzliche zeitliche Belastung, da die grundsätzlichen Aufgaben neben dieser bestehen bleiben. Entlastung könnte daher in erster Linie über die Deputate erfolgen. Diese Deputate sind schon heute viel zu gering, um alle berechtigten Ansprüche erfüllen zu können. Damit könnte Entlastung nur durch zusätzliche Belastung anderer Kolleginnen und Kollegen erfolgen. Der HPhV fordert daher schon seit Jahren, alle schulischen Deputate erheblich zu erhöhen, um diese an die gestiegenen Anforderungen an Schule anzupassen.

In dem vorgelegten Entwurf fehlt eine Regelung zum Versicherungs- und Unfallschutz, die in der alten Verordnung noch enthalten war.

Der HPhV sieht diese Verordnung nicht als einzelne Verordnung, sondern in Zusammenhang mit vielfältigen Neufassungen anderer Verordnungen. In der Gesamtheit überfordern all die formulierten Aufgaben an Schule einerseits das System, insbesondere aber die in der Schule Beschäftigten. Auch wenn viele Details der Verordnungen gesellschaftlich wünschenswert sind, kann die Erfüllung der formulierten Ansprüche nicht ohne die gleichzeitige Erhöhung der Ressourcen, insbesondere des pädagogischen und nicht-pädagogischen Personals, realisiert werden. Anderenfalls wäre das Kultusministerium in der Pflicht zu definieren, welche der anderen Aufgaben, die bislang als vordringlich galten, nachrangig zu erfüllen wären. Noch geht der HPhV davon aus, dass die fachliche Bildung vorrangige Aufgabe von Schule ist. Alle anderen Aufgaben können berechtigt und wünschenswert sein, müssen aber entsprechend gegenfinanziert werden.

Jürgen Hartmann, 1. Vorsitzender

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