„Last-Minute-Charme“ der Maßnahmenpakete – Mehr Weitblick wäre wünschenswerter gewesen.

hphv-logoPressemitteilung zur Regierungserklärung des Kultusministers am 26.09.2017
Auf die schwierige Situation an den Grundschulen hinzuweisen und zu reagieren ist dringend geboten, da diese immer mehr an der Überlastungsgrenze arbeiten, mitunter auch jenseits davon. Die Defizite hinsichtlich der Lernvoraussetzungen und des Lern- und Sozialverhaltens der Schülerinnen und Schüler haben zugenommen.  Eine große Leistungsstreuung, mehr Schüler mit Verhaltensauffälligkeiten und Lernstörungen prägen das Klassenklima. Inklusion sowie Zuzug von Migranten und Flüchtlingen verschärfen die Situation.

Dies alles beeinträchtigt die Qualität des Unterrichts an den Grund- und Förderschulen, aber auch die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Übergang auf die weiterführenden Schulen. Die Maßnahmenpakete der hessischen Landesregierung sind zwar anerkennenswert, verbreiten aber einen gewissen „Last-Minute-Charme“, wäre doch im Vorfeld mehr Weitblick wünschenswerter gewesen.

Die hessischen Philologen weisen mit Nachdruck darauf hin, wie wichtig die Arbeit an der Grundschule ist, da hier die Voraussetzungen geschaffen werden für die Arbeit an den weiterführenden Schulen, insbesondere am Gymnasium. Unabdinglich ist es daher für die Landesregierung, auf die zukünftig zu erwartenden Probleme im Sekundarbereich I vorausschauender zu reagieren.

Die Novellierung des Hessischen Schulgesetzes in diesem Frühjahr hat zwar das vielgliedrige Schulsystem gesichert, dennoch besteht nach wie vor Handlungsbedarf. Es ist fraglich, ob das, was als Maßnahmen zur individuellen Förderung propagiert wird, wirklich zielführend ist. An den Rahmenbedingungen hat sich für die Mehrheit der Schülerschaft und der Lehrkräfte in den vergangenen Jahren wenig geändert. Dass eine verbesserte Qualität in der Fortbildung als die große Antwort auf die Belastungssteigerungen im Rahmen von Integration, Inklusion und wachsender Heterogenität der Lerngruppen gesehen wird, erstaunt. Hier bedarf es weit mehr! Seit Jahren fordert der Hessische Philologenverband aus gutem Grund kleinere Klassen und Kurse, in denen individueller auf die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler eingegangen werden kann. Dazu ist eine Senkung der Unterrichtsverpflichtung von Lehrkräften mehr als überfällig, um die in der Regierungserklärung viel beschworene „bestmögliche Qualität“ sicher zu stellen. Die allgemeine Hochschulreife muss pädagogisch und organisatorisch abgesichert sein, sie ist kein Selbstläufer.

Lehrkräfte und deren Unterricht sind maßgebend für den Lernerfolg, sie stehen nach wie vor im Mittelpunkt der Unterrichtsarbeit. Sie sind angewiesen auf gute Rahmenbedingungen, damit sie die Unterrichtszeit für klare und vertiefte Fachanforderungen besser nutzen können. Wie der Kultusminister in seiner Regierungserklärung sehr richtig formuliert hat, „(…) bedarf es weiterhin einer verlässlichen Ressourcenausstattung, um die Rahmenbedingungen für diesen stetigen Qualitätsentwicklungsprozess sicherzustellen“. Diese Aussage deckt sich uneingeschränkt mit den Forderungen des Philologenverbandes. Die Zeit ist allerdings mehr als reif, den Worten Taten folgen zu lassen.

Kontakt:
Dr. Iris Schröder-Maiwald
Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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