Stellungnahme des Hessischen Philologenverbandes zur Pflichtstundenverordnung

hphv-logoDer Hessische Philologenverband nimmt zum Entwurf der Änderungsvorlage der Pflichtstundenverordnung wie folgt Stellung:
1 Abs. (2)
Auch nach der Änderung der Wochenarbeitszeit bei den Gymnasien auf 25,5 Wochenstunden ist diese trotz marginaler Absenkung um 0,5 Wochenstunden nach wie vor zu hoch.

Neben dem Unterrichten und den unterrichtsbezogenen Tätigkeiten (Korrigieren, Vor- sowie Nachbereitung des Unterrichts, Erstellen von Unterrichtsmaterialien) wird die Lehrerarbeitszeit mehr und mehr absorbiert durch besondere pädagogische Herausforderungen (verursacht beispielsweise durch Erziehungsdefizite sowie stark heterogene Klassen) und Verwaltungsaufgaben, Mitwirkung in schulischen Gremien und Arbeitsgruppen.

§ 1 Abs. (3)
Aufgrund der aktuellen Diskussion über das Lebensarbeitszeitkonto (LAK) erwartet der HPhV eine Änderung des Entwurfes an dieser Stelle. Der Vorschlag, die Pflichtstundenzahl ab dem 60. Lebensjahr nur noch um eine halbe Stunde zu reduzieren, lehnt der HPhV entschieden ab.

Er plädiert dafür, die seitherige lineare Arbeitszeitverkürzung für alle Altersgruppen (d.h. die Übernahme aus der alten Pflichtstundenverordnung) mindestens beizubehalten. Die Arbeitszeitverpflichtung bis zum 67. Lebensjahr und die hohe Wochenstundenverpflichtung bedeuten vor allem für ältere Kolleginnen und Kollegen eine hohe Belastung, die auch mit negativen Folgen für die Gesundheit einhergehen kann.

Der HPhV setzt sich vielmehr dafür ein, die seither geltende Regelung auszuweiten und eine zusätzliche Pflichtstundenreduzierung von 2 Stunden ab dem 63. Lebensjahr zu erwirken.

§ 2
Der HPhV wünscht sich eine weitere Flexibilisierung des Lebensarbeitszeitkontos, z. B. um eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen.

§ 3 Abs. (7)
Bei einem Unterrichtseinsatz in der gymnasialen Oberstufe von mindestens 8 Wochenstunden soll die Pflichtstundenzahl wie seither auch mit einer Anrechnung von einer Wochenstunde erfolgen. Mit Abs. (9) ist nunmehr eine gerechtere Anrechnung für Teilzeitkräfte möglich. Der HPhV fordert, angesichts der in Hessen hohen Stundenverpflichtung für gymnasiale Lehrkräfte und der Tatsache, dass die Arbeitsbelastung mit der Anzahl der Unterrichtsstunden in der Oberstufe ansteigt, eine stufenweise Entlastung bei Oberstufenunterricht. Eine mögliche Regelung könnte berücksichtigen, dass je 4 Stunden Oberstufenunterricht eine halbe Deputatsstunde gewährt wird.

Insbesondere die noch verbliebenen Kürzungen in der gymnasialen Oberstufe tragen durch die angepassten Faktoren mit dazu bei, dass eine Arbeitsbelastung in der Oberstufe entsteht, die dringendst der Korrektur bedarf. Auch eine Staffelung der Stunden bei SV-Verbindungslehrern und Sucht- und Dogenbeauftragten wäre zu bedenken. Eine Lehrkraft an einer Schule mit mehr als 1500 Schülerinnen und Schülern hat sicherlich einen höheren Arbeitsaufwand als eine Lehrkraft an einer Schule mit bspw. 400 Schülerinnen und Schülern.

§ 4
Das Deputat für Schulleiterinnen und Schulleiter bleibt nahezu unverändert. Im Hinblick auf die wachsenden Aufgaben und Anforderungen, die an Schulleiterinnen und Schulleiter gestellt werden, erscheint dies nicht angemessen.

§ 5
Ebenso wie das Deputat für Schulleiterrinnen und Schulleiter bleibt eine Anpassung des Deputats für Schulleitungsaufgaben an die gestiegenen Anforderungen an Schule aus. Einzig in den Bereichen sonderpädagogische Beratungs- und Förderzentren und der Berufs- und Studienorientierung findet eine moderate Anpassung statt. Auffällig ist hierbei in Absatz (4), dass die Gymnasien trotz der Verpflichtung, ein weiteres Berufspraktikum anzubieten, nicht berücksichtigt werden. Dies ist aus Sicht des HPhV nicht hinnehmbar, da die zu leistenden gestiegenen Aufgaben nicht noch zusätzlich durch die Kollegien geleistet werden können.

§ 6 Abs. (7)
Die Entlastung der Tätigkeit des Beratungslehrers für Suchtprävention findet Zustimmung.

§ 8a Abs. (2)
Der HPhV gibt zu bedenken, dass eine Lehrkraft, die verstärkt im Rahmen des Ganztagsangebotes als betreuende Aufsicht eingesetzt wird, eine erhöhte Zeitpräsenz in der Schule in Kauf nehmen muss.

Jürgen Hartmann, Vorsitzender

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