Lehrkräftefortbildung – Zeichen der Zeit (v)erkannt?

hphv-logoIn Zeiten wachsender Herausforderungen an Lehrkräfte braucht es ein deutliches Zeichen der Unterstützung und Entlastung. Der hessische Kultusminister Lorz setzt eines. Doch nicht die grundlegende Situation an Schulen, die von vielen Lehrkräften mittlerweile als hochgradig belastend eingestuft wird, soll verändert werden, sondern es soll erstmals ein Paket systematisch zwischen den Ämtern koordinierter Fortbildungen die Handlungskompetenz der Betroffenen steigern helfen.

Dazu gehören neben praxisorientierten Maßnahmen auch Datenerhebungen und Evaluationen, die in der Regel weitere Belastungen für Lehrkräfte mit sich bringen. Und auch die durch eine Modifikation anvisierte Rettung der höchst umstrittenen Schulinspektion wird in das Maßnahmenpaket eingebunden.

Ohne Zweifel sind gute Fortbildungen eine Bereicherung für jede Lehrkraft. Dass die vom Kultusminister angekündigten neuausgerichteten Angebote qualitativ eine gute Unterstützung darstellen, bleibt zu hoffen. Dass eine verbesserte Qualität in der Fortbildung jedoch als die große Antwort auf die Belastungssteigerungen im Rahmen von Integration, Inklusion und wachsender Heterogenität der Lerngruppen gesehen wird, erstaunt. Hier bedarf es weit mehr! Seit Jahren fordert der Hessische Philologenverband aus gutem Grund kleinere Klassen und Kurse, in denen individueller auf die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler eingegangen werden kann. Dazu ist eine Senkung der Unterrichtsverpflichtung von Lehrkräften mehr als überfällig, um Raum für die Steigerung von Unterrichtsqualität zu haben.

Die Neuausrichtung der Lehrkräftefortbildung ist ein wichtiges Zeichen. Doch als einziges Zeichen kommt es zur falschen Zeit. Die Rahmenbedingungen von Schule haben sich in einem Maße verändert, das ein Paket an Maßnahmen erfordert – und nicht nur eine hoffentlich qualitativ wertige Neuausrichtung der Lehrkräftefortbildung. Der Slogan des Ministers „sich Jahr für Jahr auf neue Entwicklungen einstellen“ sollte ein Slogan für alle Beteiligten werden.

Pressemeldung vom 19.01.2017

Kontakt:
Dr. Iris Schröder-Maiwald
Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 0611 / 33460701
E-Mail: schroeder-maiwald@hphv.de

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