Lesen durch Schreiben (Schreiben nach Gehör) / Ein Kommentar

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Die Lesen-durch-Schreiben-Methode, vom Schweizer Reformpädagogen Jürgen Reichen inspiriert, erscheint höchst fragwürdig. Sie konnte sich im Windschatten der relativ unverbindlichen Bildungsstandards in Grundschulen etablieren, gehört aber dringend auf den Prüfstand.

Denn die nachlassenden Rechtschreibleistungen der Schüler sprechen eine klare Sprache, auch wenn man diesen Effekt nicht besagter Lernmethode allein anlasten kann. Dogmatisch umgesetzt, kann diese Methode nur als „unterlassene Hilfeleistung“ beim Lesen- und Schreibenlernen gewertet werden. Rechtschreibschwächen werden provoziert. Lässt man in den ersten beiden Grundschuljahren Kinder schreiben, wie sie sprechen, und korrigiert nicht, besteht die Gefahr, dass sie sich im Rahmen dieser Schreibanarchie Wörter falsch einprägen. Spätestens wenn Eltern von ihren Kindern als „Fata“ und „Muta“ verschriftlicht werden, sehen sie sich oft als Nachhilfelehrer gefordert. Eine solche Förderung kann aber beispielsweise in Migranten-Familien in der Regel nicht geleistet werden, die Folgen liegen auf der Hand.

Kinder sollten von Anfang an die richtige Rechtschreibung lernen und regelgetreues Schreiben einüben, die einzelnen Buchstaben sollten systematische erarbeitet, Rechtschreibstrategien vermittelt werden. Die Anlauttabelle, zentrales Requisit der Lesen-durch-Schreiben-Methode, kann unterstützend wirken. Der sichere Umgang mit der Rechtschreibung ist auch die Voraussetzung für eine erfolgreiche Arbeit in den weiterführenden Schulen.

Ein Kommentar von Reinhard Schwab, Vorsitzender des Pädagogischen Ausschusses

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