Grundsatzpapier der Jungen Philologen des Hessischen Philologenverbands: Digitalisierung im Unterricht

Colorful tech devices interacting with each other in modern office
Bild: sdecoret/Fotolia

Neueste pädagogische und didaktische Konzepte wie beispielsweise der Flipped Classroom oder auch BYOD (Bring your own device) verdeutlichen, dass die neuen Medien in ihrer gesellschaftlichen Relevanz zunehmend stärker in der Schule wahrgenommen werden. Die neuartigen Konzepte weisen dabei einige Gemeinsamkeiten und Charakteristika auf, die auch von uns, den Jungen Philologen des Hessischen Philologenverbands, für notwendig und unabdingbar in der medialen Ausbildung gehalten werden.

• Die Schule darf der außerschulischen Welt nicht hinterherhinken. Die digitalen Medien sind aus der heutigen Zeit nicht mehr wegzudenken: Sie sind Informationsquelle, Präsentationsmedium
und als Kommunikationsmedium ein Tor zur globalisierten und vernetzten Welt.
Schule hat die Aufgabe, ihre Schülerinnen und Schüler für das Leben in einer solchen Gesellschaft fit zu machen.
• Ignoriert die Schule die digitalen Medien, so vernachlässigt sie  einen wichtigen Teil ihres Auftrags. Die Politik hat dies bereits in Ansätzen erkannt, was die in allen Lehrplänen und Curricula
ausgewiesene Medienkompetenz belegt. Die Aufgabe der Schulen ist nun, die Vermittlung von Medienkompetenz konzeptionell in die Schulprogramme zu überführen und die Schülerinnen und Schüler dementsprechend individuell und differenziert im Unterricht auszubilden.
• Schließlich zeigt auch der Blick in die Universitäten, die von ihren Studierenden einen souveränen und kompetenten Umgang mit den digitalen Medien erwarten, dass sich die Schulen und in erster Linie die Gymnasien nicht davor versperren können, diese zum integralen
Bestandteil der Schulbildung zu machen.
• Digitale Medien können und sollen niemals Selbstzweck sein. Sie sind Medien, also Mittel, die die Erreichung eines übergeordneten Ziels ermöglichen. Als Werkzeuge sollen sie den Unterrichtsablauf
vereinfachen, bereichern und dabei im besten Falle zu besseren
Lernergebnissen führen.
• Die Beschäftigung mit dem Medium selbst steht demnach nur im Sinne einer technischen Grundbildung im Zentrum des Unterrichts. Dabei ist den Schülerinnen und Schülern als Digital Natives gegebenenfalls deutlich mehr Verantwortung für das Unterrichts- und Schulgeschehen zuzugestehen, als das bisher der Fall war. Hier muss den Schülerinnen und Schülern der Raum gegeben werden, ihre Kompetenz, die sie von zuhause aus mitbringen, im Unterricht sinnstiftend zu nutzen.
• Dazu ist die Bereitstellung einer passenden technischen  Infrastruktur sämtlicher Schulen seitens der Schulträger
zwingend notwendig. Ergänzend sollte die Verwendung der eigenen Medien der Schülerinnen und Schüler im Unterricht in Betracht gezogen werden.
• Persönliche zwischenmenschliche Kommunikation tritt in einem zunehmend digitalisierten Unterricht nicht in den Hintergrund; sie wird vielmehr um ein weiteres Themenfeld bereichert.
Kommunikation und sozialer Austausch mithilfe und über digitale Medien führen nicht zur Isolation der Schülerinnen und Schüler, wenn sie in einen geeigneten Kontext eingebunden werden.

Die digitalen Medien sind der greifbare Ausdruck der digitalen Revolution, in der sich die Welt seit einigen Jahrzehnten befindet. Ein Zurück zu einer Welt, die ihr Wissen nur mit Papier und Stift als einzigen Medien festhält und verarbeitet, wird es nicht geben. Umso mehr ist es notwendig, dass sich die Schulen auf den Weg machen, digitale Bildung als Selbstverständlichkeit und gesellschaftliche Notwendigkeit anzusehen und diese ihren Schülerinnen und Schülern zu ermöglichen.

Die Jungen Philologen fordern …
– eine adäquate technische Ausstattung von Schulen.
– einen W-LAN-Zugang an den Schulen.
– die Bereitstellung von technischen Arbeitsmitteln für Lehrkräfte.
– technische Assistenten an allen Schulen.
– eine zeitgemäße Lehrerausbildung im Bereich der Digitalisierung des Unterrichts.
– qualifizierte Fortbildungsangebote für den technischen und pädagogischen Umgang mit Medien.
– Stundendeputate zur Erstellung von Medienkonzepten.

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