Wo bleibt die Fürsorge?

2014-04-30_121235Der Hessische Philologenverband kritisiert die Gesetzesvorlage der FDP auf das entschiedenste
Der Vorstoß der FDP-Fraktion im Hessischen Landtag, die Fort- und Weiterbildung der Lehrerinnen und Lehrer grundsätzlich auf das Wochenende und in die Ferien zu verlegen, stößt beim Hessischen Philologenverband auf deutliche Ablehnung.
Nach Angaben des schulpolitischen Sprechers der Liberalen, Wolfgang Greilich, vom vergangenen Dienstag im Landtag, fielen jährlich in Hessen 350.000 Unterrichtsstunden aus, weil Lehrkräfte in der Unterrichtszeit auf Fortbildung seien. Greilich habe dies aus offiziellen Zahlen des Kultusministeriums errechnet.

Diesen Vorstoß, die Weiterbildungsveranstaltungen ausschließlich in die unterrichtsfreie Zeit zu verlegen, kritisiert der Hessische Philologenverband in aller Entschiedenheit. Fortbildungen sind richtig und wichtig, tragen zur Verbesserung der Unterrichtsqualität und zur Professionalisierung der Lehrkräfte bei. Sie müssen aber zumindest zum Teil in der Unterrichtszeit, also an Wochentagen außerhalb der Ferien, stattfinden. Rechnet man mit sechs Unterrichtsstunden pro Tag, so fallen gemäß den Angaben von Herrn Greilich knapp 60.000 Tage in der Unterrichtszeit aus. Bei mehr als 60.000 Lehrerinnen und Lehrern in Hessen bedeutet das nicht einmal einen Tag Unterrichtsausfall pro Lehrkraft und Schuljahr aufgrund von Fortbildungen.

Die zunehmenden Anforderungen (Flüchtlingsbeschulung, große und heterogene Lerngruppen, zunehmende Verwaltungs- und Betreuungszeiten etc.) führen zu erheblichen Mehrbelastungen der Lehrkräfte. Der Großteil der Lehrerinnen und Lehrer kommt ohne Wochenendkorrekturen und Vorbereitungen in den Ferien gar nicht mehr aus. Statt seitens der Politik Vorschläge zu unterbreiten, die in der Realität kaum umsetzbar sind, rät der HPhV zu mehr Fürsorge für die Lehrkräfte. Es widerspricht der Fürsorgepflicht des Landes, dass diese immer mehr Aufgaben aufgebürdet bekommen, ohne im Gegenzug entsprechende Entlastungen zu erhalten. Die Zeiten, in denen Lehrerinnen und Lehrern nachgesagt wurde, sie hätten „vormittags recht und nachmittags frei“, sind lange vorbei.

 HPhV-Pressemeldung vom 20.06.2016

Kontakt:
Dr. Iris Schröder-Maiwald
Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 0611 / 307445
E-Mail: schroeder-maiwald@hphv.de

hphv-logo

← zurück