Schaden Hausaufgaben der Schülerschaft? Eine Stellungnahme des HPhV

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S. Hofschlaeger / pixelio.de

Die Debatte über den Nutzen von Hausaufgaben wird mit schöner Regelmäßigkeit geführt. Aktuell belebt ein Buch des Bildungsjournalisten Armin Himmelreich den Streit über den Effekt dieser pädagogischen Maßnahme: „Hausaufgaben, nein danke – Warum wir uns so bald wie möglich von den Hausaufgaben verabschieden sollten“ (hep Verlag, 2015). Woran entzündet sich die Debatte? Gründet sie auf einer aus Sicht der Schüler und Eltern unbefriedigenden Praxis? Die aktuelle Forschungslage ist nur bedingt aussagekräftig, Studien sind widersprüchlich, hierauf macht der Tübinger Bildungsforscher Ulrich Trautwein aufmerksam.  

Unstrittig schlecht ist eine schulische Praxis, in der Hausaufgaben zum Selbstzweck werden. Sie müssen sich sinnvoll aus der Unterrichtsarbeit ergeben und bilden dann eine wichtige Phase im Lernprozess, indem sie die Schüler zum Einüben sowie Anwenden des Gelernten führen und auch neue Inhalte vorbereiten.

Beispielsweise lässt sich eine angemessene schriftliche Artikulation in der Muttersprache kaum intensiv während des Unterrichts schulen. Die Lernentwicklung verläuft über einen längeren Zeitraum und bedarf dringend auch einer ruhigen häuslichen Umgebung, in der man nur auf sich allein gestellt ist. Selbst das Auswendiglernen eines Gedichtes muss nicht als stupide Reproduktion verstanden werden, wenn dieser Arbeitsprozess mit einer tieferen Textdurchdringung einhergeht. Erfahrungen von Lehrkräften zeigen, dass gerade eine häusliche Textproduktion vielen Schülern Freude bereitet. Was spricht dagegen, wenn Kinder und Jugendliche ihre Zeit zu Hause auch mit „sinnvollen“  Hausaufgaben verbringen? Der gute Effekt leidet jedoch, wenn Schüler unverhältnismäßig lange und ohne die nötige Motivation an Hausaufgaben sitzen.

Hausaufgaben eröffnen den Schülern Chancen auf Lernfortschritte, wobei das individuelle Lerntempo und Lernbedürfnis maßgeblich sind. Eine häusliche Umgebung sollte den Schülern die Ruhe bieten, um für kognitive Herausforderungen offen zu sein und Fragen zu entwickeln, die dann wieder in den Unterricht eingebracht werden können. Günstig ist es, wenn Hausaufgaben unter den Lehrkräften einer Klasse abgesprochen werden.

Im Gymnasium ist die häusliche Beschäftigung zudem eine Vorbereitung für ein späteres Studium, das bekanntermaßen auch auf häuslicher Arbeit aufbaut.

Fazit: Der HPhV hält die pauschale Forderung nach einer Abschaffung der Hausaufgaben für abwegig – sinnvoll dagegen erscheint es, Hausaufgaben als intelligente, selbstständige Lernphasen zu gestalten; einen gelegentlichen Verzicht auf Hausaufgaben sollte eine Lehrkraft aber auch nicht scheuen.

Für den Pädagogischen Ausschuss des HPhV: Reinhard Schwab (Vorsitz)

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