Kultusministerium demontiert das Gymnasium

2014-04-30_121235Nein zum Raubbau an der gymnasialen Oberstufe in Hessen
Der Hessische Philologenverband ist entsetzt über die fortgesetzte, rücksichtslose Nutzung der Gymnasien als Steinbruch für Stundenressourcen. Es ist auffällig, dass das Kultusministerium immer gleichlautend mit landesweiten Statistiken argumentiert und damit die Wahrheit der Folgen für die einzelnen Schulen zu verschleiern sucht. Aussagen, die hessenweit zutreffen mögen, erweisen sich vor Ort als nicht haltbar.

Die neuerliche Kürzung durch die Neuberechnung der Oberstufenfaktoren stellt grundständige Gymnasien teilweise vor erhebliche Probleme. Selbst wenn es durch geschicktes Agieren der Schulleitungen gelingt, ein attraktives Angebot in der gymnasialen Oberstufe trotz der Kürzungen aufrecht zu erhalten, fehlen die Stunden (bei großen Schulen bis zu 3 Stellen) an anderer Stelle. Die Verwendung der eingesparten Ressourcen für andere, für sich genommen sinnvolle Projekte (Pakt für den Nachmittag / Deutschunterricht für Migranten) bedeutet nichts anderes, als die eine Interessengruppe gegen eine andere auszuspielen. Es ist gleichzeitig der untaugliche Versuch, die finanziellen Ausgaben für soziale Aufgaben in den Bildungsbereich zu verlagern, ohne dass Bildung dadurch ernsthaft profitiert. Es ist zu befürchten, dass das Gegenteil der Fall sein wird. Das Postulat, Hessen sei ein Bildungsland, wird durch alle jüngeren Maßnahmen des Kultusministeriums konterkariert.

Der Kultusminister spricht im Zusammenhang mit der Streichaktion von einem „behutsamen Umsteuern“; offenbar meint er ein Wegsteuern vom Gymnasium, insbesondere im materiellen Sinne. Dies markiert in der Partei, die den Kultusminister stellt, einen bemerkenswerten Paradigmenwechsel. Es ist noch nicht lange her, da war für die Bildungspolitik der CDU die Frage leitend, wie die Schulen leistungsfähiger und die Schülerleistungen verbessert werden könnten. Wer mehr will, muss auch mehr investieren. Bildung gibt es weder kostenneutral noch zum Nulltarif.

Der HPhV fordert die Landesregierung und das Kultusministerium auf, die schrittweise Demontage des Gymnasiums sofort zu beenden und sich klar und deutlich auch in den konkreten Taten zu der am meisten nachgefragten Schulform in Hessen zu bekennen.

 HPhV-Pressemeldung vom 24.02.2016

Kontakt:
Dr. Iris Schröder-Maiwald
Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 0611 / 307445
E-Mail: schroeder-maiwald@hphv.de

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