Der HPhV verlässt den Bildungsgipfel

hphv-logoDas aktuelle konkrete Regierungshandeln im Bereich Schule und Bildung stellt für den Hessischen Philologenverband keine Grundlage für die auf dem Bildungsgipfel angestrebte langfristige Verständigung und den einmal angedachten Schulfrieden dar“, sagte der Vorsitzende des Verbandes, Knud Dittmann, auf der heutigen Pressekonferenz in Wiesbaden. Er habe deshalb Kultusminister Prof. Lorz am 8. Juli 2015 mitgeteilt, dass der HPhV den Bildungsgipfel verlasse und bereits an der abschließenden Sitzung am kommenden Freitag nicht mehr teilnehmen werde.

Die von der Landesregierung beschlossene Reduzierung der Lehrerstundenzuweisung im Bereich der gymnasialen Oberstufe stelle einen Angriff auf die Gymnasien und die Gesamtschulen mit Oberstufe dar, so Dittmann weiter. Sie werde dazu führen, dass kleine Kurse wie Leistungskurse Physik oder Chemie nicht mehr stattfinden könnten, andere Kurse deutlich größer und Förderangebote gestrichen würden. Die Schulen mit besonderen Profilen – MINT, bilingualer Unterricht, musikalischer Schwerpunkt etc. – denen vor wenigen Jahren die entsprechende Sonderzuweisung gestrichen worden sei mit dem Argument, diese Angebote könnten sie ja nun aus der „garantiert“ 104%igen Lehrerversorgung bestreiten, fühlen sich betrogen. Von dieser „garantiert“ 104%igen Lehrerversorgung werde an den Schulen mit gymnasialer Oberstufe teils wenig und teils nichts übrig bleiben; an großen Oberstufenschulen werde voraussichtlich eine Lehrerversorgung von 100% unterschritten werden.

Die Entscheidung der Landesregierung stehe auch in eklatantem Widerspruch zum Anspruch, die nächsten zehn Jahre für „Verlässlichkeit“ und „Planungssicherheit“ sorgen zu wollen. Von der „Verlässlichkeit in der Lehrerausstattung“, die in der gerade einmal vor anderthalb Jahren abgeschlossenen Koalitionsvereinbarung in Aussicht gestellt worden sei, könne bereits jetzt keine Rede mehr sein.

„Der Anspruch der Landesregierung, auf dem Bildungsgipfel Absprachen für die nächsten zehn Jahre treffen zu wollen, vermag doch angesichts der Tatsache, dass ihr Koalitionsvertrag nicht einmal anderthalb Jahre überstanden hat, nur noch Heiterkeit zu evozieren“, so Dittmann auf der Pressekonferenz.

Der Kultusminister habe im Zusammenhang mit der Streichaktion in der Oberstufe von einem „Umsteuern“ gesprochen; gemeint sei offenbar ein „Wegsteuern“ vom Gymnasium und von den Gesamtschulen mit Oberstufe, insbesondere im materiellen Sinne. Es könne nicht sein und der HPhV wehre sich erbittert dagegen, dass die gymnasialen Oberstufen als Steinbruch benutzt würden, damit die Landesregierung auf anderen Baustellen Erfolge feiern könne. Wenn es neue Herausforderungen gebe – und natürlich gehöre dazu die Beschulung der zahlreichen Seiteneinsteiger wie zum Beispiel der vielen Flüchtlingskinder – dann müssten zusätzliche Ressourcen zur Verfügung gestellt werden. Eine Lehrerausstattung, die vor Einsetzen des Flüchtlingsstroms angemessen gewesen sei, könne es nicht danach immer noch sein.

Jeder, der das für die abschließende Sitzung des Bildungsgipfels vorgelegte Abschlusspapier unterschreibe, stelle der Landesregierung damit einen Freibrief für weitere „Umschichtungen“ z.B. zu Lasten des Gymnasiums und der Gesamtschulen mit Oberstufe aus. Denn in diesem Papier seien viele Vorhaben genannt, die Geld kosteten – z.B. der Ausbau von Ganztagsschulen oder die Ausweitung inklusiver Beschulung. Wenn sich die Landesregierung weiterhin auf den Standpunkt stelle, dass für neue Aufgaben und Herausforderungen keine zusätzlichen Ressourcen zur Verfügung stünden, müsse mit weiteren „Umschichtungen“ innerhalb des Kultushaushaltes gerechnet werden. Niemand werde erwarten, dass der HPhV eine solche Politik mittrage und durch seine Unterschrift präventiv legitimiere.

Gemessen an der Zielsetzung des Kultusministers und der Koalitionsparteien , eine langfristige Verständigung über die schulische Bildung in Hessen, ja womöglich sogar einen zehnjährigen Schulfrieden zu erreichen, sei der Bildungsgipfel völlig gescheitert.

Der vorliegende Entwurf eines Abschlusspapiers selbst halte den Dissens zwischen den Beteiligten fest; dies gelte für die Frage der Schulstruktur ebenso wie für das Thema der Inklusion, für die Vorstellungen vom letztendlichen Ziel der angestrebten Weiterentwicklung der Ganztagsschulen und –angebote ebenso wie für zentrale Fragen der Lehrerbildung (Schulformbezogenheit und Dauer der Ausbildung). Am Versuch des Kultusministers und der Koalitionsparteien, die Dokumentation von Dissens als Erfolg zu feiern (Motto: „Schön, dass wir darüber geredet haben“) werde sich der HPhV nicht beteiligen. „Um den bestehenden Dissens kenntlich zu machen, hätte es eines derart aufwändigen Bildungsgipfels wahrlich nicht bedurft“, so Dittmann abschließend.

Pressemitteilung vom 13. Juli 2015

Kontakt:
Dr. Iris Schröder-Maiwald
Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 0611 / 307445
E-Mail: schroeder-maiwald@hphv.de

 

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