Streichaktion der Landesregierung

Die von der hessischen Landesregierung beschlossene Verschlechterung der Lehrerstellenzuweisung im Bereich der gymnasialen Oberstufe stellt einen Angriff auf das Gymnasium und die Gesamtschulen mit Oberstufe dar. Die Reduzierung des Anrechnungsfaktors von derzeit 1,737 auf 1,601 in der Einführungsphase ab dem kommenden Schuljahr sowie auf 1,660 in der Qualifikationsphase ab dem Schuljahr 2016/17 wird von der über 100% hinausgehenden Versorgung von „garantiert vier Prozent an jeder Schule“ je nach Schule kaum etwas oder gar nichts übrig lassen. An Oberstufengymnasien wird die Lehrerversorgung unter 100% fallen.

Was bedeuten solche Durchschnittswerte in der schulischen Praxis?
Wir haben in der Qualifikationsphase der gymnasialen Oberstufe – und an etlichen gymnasialen Oberstufen gilt dies auch für die Einführungsphase – kein Klassenverbandssystem, sondern ein Kurssystem. Wenn 12 Schüler/innen das Leistungsfach Kunst oder 14 Schüler/innen das Leistungsfach Deutsch wählen, kann man diese Kurse mangels weiterer Interessenten nicht vergrößern. Wenn 34 Schüler/innen das Leistungsfach Biologie wählen, sind es zu viele für einen einzigen Leistungskurs; es werden also zwei Leistungskurse Biologie gebildet mit jeweils 17 Schülerinnen und Schülern; auch diese Kurse können nicht vergrößert werden, weil eben nur 34 Schüler/innen dieses Leistungsfach gewählt haben und nicht 36 oder 38. An dieser Stelle ist nichts einzusparen. Das Gleiche gilt für kleine Grundkurse, so dass zu fragen ist: Sollen nach Auffassung des Kultusministeriums kleine Kurse wie ein Grundkurs Französisch mit acht Schülern oder ein Grundkurs Philosophie mit zehn Schülern nicht mehr stattfinden? Und soll ein Leistungskurs Physik mit acht Schülern gestrichen werden?

Die „garantiert 104%ige Lehrerversorgung jeder einzelnen Schule“, die vor der Wahl propagiert wurde, wird nun wieder eingesammelt. Die Streichaktion der Landesregierung steht auch im Widerspruch zur Koalitionsvereinbarung: Die „Verlässlichkeit in der Lehrerausstattung“, von der auf der ersten Seite der Koalitionsvereinbarung die Rede ist, ist für den Bereich der gymnasialen Oberstufe nunmehr außer Kraft gesetzt.

Bildung ist eines der höchsten Güter einer Gesellschaft. Daran zu sparen, ist falsch!

  • Die Kürzung der Zuweisung in der Oberstufe ist sofort zurückzunehmen!
  • Die Lernbedingungen der Schülerinnen und Schüler und die Arbeitsbedingungen der Lehrerinnen und Lehrer an den Gymnasien müssen spürbar verbessert werden!
  • Bereits erfolgte Stellenstreichungen an Gymnasien sind rückgängig zu machen, um einen Einstellungskorridor für junge Gymnasiallehrerinnen und Gymnasiallehrer zu schaffen!

Machen Sie Ihren Unmut deutlich und schicken Sie diesen Brief  unterschrieben an das Kultusministerium!

 

 

← zurück