DPhV-Mitteilungen
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Lehrermangel und Lehrerüberangebot?
vom 08.08.2011So gehe die neueste Prognose der Kultusministerkonferenz von einem insgesamten Bewerberüberhang von 60 Prozent an den Gymnasien im Zeitraum der nächsten zehn Jahre aus, während dort aber gleichzeitig weiterhin der Bedarf an Lehrkräften in Physik, Mathematik, Chemie, auch Latein nicht gedeckt werden könne.
Meidinger betonte: "Es zeichnet sich eine mehrfache Teilung des Lehrerarbeitsmarktes ab: Während in den alten Bundesländern die Pensionierungswelle mit starken Altersjahrgängen allmählich abebbt, steigt demnächst der Ersatzbedarf an den Schulen in den neuen Bundesländern stark an, weil dort in den kommenden zehn Jahren bis zu 40 Prozent der Lehrkräfte aus dem aktiven Dienst ausscheiden. Eine Teilung des Arbeitsmarktes gibt es neben dem fächerspezifischen Bedarf – Mangel im MINT-Bereich und Überangebot im sprachlich-geisteswissenschaftlichen Sektor – auch zwischen den Schularten. Förderschulen und Berufsschulen suchen dringend Junglehrer, während junge Gymnasiallehrer zum Teil bereits wieder verzweifelt auf Stellenangebote warten."
Als Gründe für die divergente Entwicklung verwies der Verbandschef darauf, dass einerseits vor rund sieben bis acht Jahren in den alten Bundesländern besonders viele Lehramtsstudenten ihr Studium begonnen hätten und auf der anderen Seite nach wie vor die vorwiegend weiblichen Lehramtsstudenten vor allem sprachliche und geisteswissenschaftliche Fächer bevorzugten. Außerdem wirke sich der Wegfall der 9. Jahrgangsstufe an Gymnasien in vielen alten Bundesländern negativ auf den Lehrerbedarf aus.
Meidinger forderte die Bundesländer auf, auf diese Entwicklung verantwortungsbewusst zu reagieren. "Zum einen gilt es, nach wie vor verstärkt Lehramtsstudierende für MINT-Fächer sowie Förder- und Berufsschulen zu gewinnen, zum anderen sollten die Hindernisse abgebaut werden, die die Mobilität auf dem Lehrerarbeitsmarkt zwischen den Bundesländern stark beeinträchtigen. Gerade die neuen Bundesländer könnten davon besonders profitieren", betonte er.
Als ausgesprochen wichtig bezeichnete es der DPhV-Vorsitzende, das verbesserte Junglehrerangebot an Gymnasien jetzt für pädagogische Verbesserungen zu nutzen. Er sagte: "Jahrelang haben viele Landesregierungen mit Hinweis auf den dramatischen Lehrermangel pädagogische Verbesserungen wie die Verkleinerung von Klassen, den Ausbau von Ganztagsschulen, den Aufbau einer echten Lehrerreserve und die Einführung von Klassenleiterstunden abgeblockt. Diese Argumentation trägt nun zunehmend nicht mehr. Wir brauchen jeden ausgebildeten Junglehrer an unseren Schulen!"
